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Stipendiat bei Amplonius NOVUS werden!

Seit 1412 wird in Rheinberg im Namen des Amplonius de Berka Studienförderung betrieben. Der Mediziner und Theologe hatte auf seine Kosten an der Universität Erfurt ein Studienkolleg eingerichtet, an dem neun Absolventen der Rheinberger Lateinschule kostenlos leben und lernen konnten.

Seit 2012/13 existiert die Stiftung des Amplonius wieder in neuer Form! Zahlreiche Rheinberger/innen haben sich nach dem 600-jährigen Stiftungsjubiläum zusammengetan und Gelder zur Gründung einer neuen amplonianischen Stiftung gespendet. Die neue Studienstiftung Amplonius NOVUS hat zum Ziel, begabte und talentierte Absolventen des Amplonius-Gymnasiums bei der Aufnahme bzw. Durchführung ihres Studiums zu fördern. Aus diesem Grunde konzentriert sich Amplonius NOVUS auf zwei unterschiedliche Fördermaßnahmen:

  1. Die besten Abiturientinnen/Abiturienten eines Jahrganges erhalten ein einmaliges Büchergeld für die Anschaffung von Literatur zu Beginn ihres Studiums.
  2. Die Studienstiftung gewährt ausgewählten Absolventen des Amplonius-Gymnasiums Rheinberg ein einjähriges Stipendium.

Förderungsvoraussetzungen für das Studienstipendium:

  • Abitur am Amplonius-Gymnasium Rheinberg und Zulassung zum Studium an einer Universität in Deutschland oder einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union.
  • Nachweis herausragender schulischer Leistungen durch einen überdurchschnittlichen Notendurchschnitt im Abitur sowie ein während der Schulzeit gezeigtes besonderes gesellschaftliches Engagement (innerhalb der Schule, z.B. in der Schülervertretung, oder außerhalb, z.B. in einem Verein o.ä.).
  • Voraussetzung für die Vergabe eines Stipendiums ist weiterhin, dass aufgrund der familiären Situation ansonsten kein Studium aufgenommen bzw. fortgesetzt werden kann. Der Nachweis hierfür muss auf geeignete (unbürokratische) Weise erbracht werden.

Stipendiendauer und Stipendienleistungen:

Die Förderung erfolgt grundsätzlich zunächst für ein Jahr und kann – bei Nachweis entsprechender Leistungen – um jeweils ein weiteres Jahr bis zum Abschluss (Master) verlängert werden. Die Höhe des Stipendiums beträgt zur Zeit monatlich 100 Euro. Da es sich bei unserem Stipendium um eine leistungsbezogene Zahlung handelt, erfolgt keine Anrechnung auf das BAföG.

Bewerbungs- und Auswahlverfahren:

Die Bewerbung für ein Stipendium bei Amplonius NOVUS ist einfach und unbürokratisch. Im Einzelnen gilt:

  • Die Vergabe des Stipendiums erfolgt auf entsprechenden schriftlichen Vorschlag einer Lehrkraft des Amplonius-Gymnasiums Rheinberg.
  • Die Bewerbung ist zu richten an den Vorsitzenden des Vorstandes der Stiftung Amplonius NOVUS, c/o Amplonius-Gymnasium, Dr. Aloys-Wittrup-Str. 18, 47495 Rheinberg. Oder per eMail an: amplonius-novus@t-online.de. Dem Antrag sind der Bewerbungsbogen der Stiftung (als PDF- bzw. Word-Datei im Download-Bereich der Stiftungs-Homepage verfügbar) sowie die dort aufgeführten Anlagen beizufügen.
  • Die Stipendiatenauswahl geschieht durch den Vorstand der Stiftung; ein Rechtsanspruch auf ein Stipendium besteht nicht.

Rheinberg, im September 2019

gez. Heinz Pannenbecker (Stiftungsvorsitzender)

August 2022

In wenigen Tagen beginnt das Schuljahr 2022/23 und wieder werden über einhundert neue Schülerinnen und Schüler die Gebäude des Amplonius-Gymnasiums betreten.

Der älteste Teil des Gebäudekomplexes stammt aus dem Jahr 1951: der Haupteingang der Schule mit seinen Reliefs (Scientia, Amicitia, Virtus und Religio) sowie des Gebäudetrakt links davon (vom Schulhof aus gesehen). Am 5. April 1951 wird der Schulneubau feierlich eingeweiht. Das neue Gebäude direkt neben dem Konvikt St. Josef umfaßt 10 Klassenräume sowie ein Lehrer- und ein Schulleiterzimmer. Die Baukosten belaufen sich auf 353.000 DM, davon 28.000 DM für die Einrichtung.

Am 20. September 1951 entscheidet die Kultusministerin der Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Christine Teusch, mit Erlaß II E 3 – 15/6 – Nr. 8833/51, „daß das städt. Progymnasium in Rheinberg den Namen ‚Amplonius-Progymnasium‘ führt.“

Juli 2022

1950 hat das Amplonius-Progymnasium 351 Schüler: 236 Jungen und 115 Mädchen. Die Schule hat keine eigenen Räume, sondern sie benutzt 7 Räume im Konvikt St. Josef und 6 weitere Räume in der Kath. Volksschule.

Ostern 1950 herrscht pure Raumnot. Um dieser Situation Herr zu werden, werden die zwei Klassen UIII zu einer Obertertia (OIII) mit 46 Schülern zusammengefaßt. Für die neue Sexta wurden zwei Klassenverbände eingerichtet, einer mit 42 Jungen, der andere mit 19 Mädchen und 19 Jungen.

Am 22. Juli 1950 erfolgt der erste Spatenstich für den Neubau des Progymnasiums auf dem Grundstück am Pallottinerheim, Lützenhofstraße. Finanzielle Zuschüsse seitens des Landes gibt es nicht.

Am 12. August 1950 erfolgt die feierliche Grundsteinlegung für den Schulneubau (1. Bauabschnitt). Am 5. April 1951 kann der Schulneubau feierlich eingeweiht werden. Es wird nicht bei diesem Neubau bleiben …

Abitur 2022

John F. Kennedy wird der Satz zugesprochen: „There is only one thing in the long run more expensive than education: no education.“ – „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

Fehlende Bildung muß eine Gesellschaft teuer bezahlen, bedeutet dies doch – neben den negativen Einflüssen auf die Lebensverhältnisse der betroffenen jungen Heranwachsenden – erhebliche nachteilige Auswirkungen auf das Wachstum und das Entwicklungspotential des gesamten Staates …

In Zeiten von Krieg, Pandemie, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit ist Bildung heute wichtiger als je zuvor, denn es bedarf kluger Köpfe, um die gehäuften Probleme zu lösen und alle Bereiche der Gesellschaft wieder voanzubringen. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, allen jungen Menschen gute und faire Bildungschancen zu ermöglichen und sie nach Kräften umfänglich zu fördern.

1960: Die ersten Abiturienten des Amplonius-Gymnasiums

Mit seinen bescheidenen Mitteln möchte Amplonius NOVUS, die Studienstiftung des Amplonius-Gymnasiums, dazu beitragen, Bildungsmöglichkeiten zu verwirklichen. Aus diesem Grunde fördert die Stiftung Absolventinnen und Absolventen des Rheinberger Gymnasium zum Beispiel durch ein Büchergeld, mit dem der oftmals teure Einstieg in ein Studium erleichtert werden soll.

Im Abiturjahrgang 2022 gibt es über 40 Schülerinnen und Schüler, die einen Einser-Schnitt vorweisen können, und vier junge Leute (zwei Abiturientinnen und zwei Abiturienten) beenden ihre Schulzeit mit der Traumnote 1,0. Sie werden von Amplonius NOVUS mit einem Büchergeld von je 100 Euro im Rahmen der Übergabe der Abiturzeugnisse am kommenden Freitag besonders ausgezeichnet und geehrt.

Seit dem ersten Büchergeld beim Abitur 2013 hat die Stiftung Amplonius NOVUS nun insgesamt 45 Amplonianerinnen und Amplonianer für ihre exzellenten Schulleistungen gewürdigt und insgesamt 3.800,- Euro für Bildungsaufgaben aus Spenden zur Verfügung gestellt.

Amplonius NOVUS unterstützt Amplonianerinnen und Amplonianer nicht nur bei ihrem Eintritt in eine Hochschule durch ein Büchergeld zur Beschaffung von Literatur zum Studium, sondern auch im Verlauf ihres Studiums durch ein Stipendium. Momentan werden drei Studierende durch eine monatliche Beihilfe unterstützt und gefördert.

Für ein Stipendium von Amplonius NOVUS kann man sich jetzt wieder erneut bewerben. Der Förderzeitraum beträgt ein Jahr (beginnend mit dem Monat Oktober) und kann bei Vorliegen der Voraussetzungen verlängert werden. Alle notwendigen Informationen dazu findet man hier auf der Stiftungs-Homepage.

Abschließend zwei Äußerungen von Büchergeld-Empfängern: „Vielen Dank für die Glückwünsche zum Abitur und für die Möglichkeit dieses Büchergeld in Anspruch nehmen zu können. Es wird zum Studienbeginn eine gute Unterstützung sein.“ Oder die Meinung einer Amplonianerin: „Ich habe mich über die Anerkennung für meinen Abschluss durch die Stiftung Amplonius Novus sehr gefreut und möchte mich daher von ganzem Herzen bei Ihnen bedanken. Die acht Jahre, die ich am Amplonius-Gymnasium verbracht habe, waren für mich eine sehr schöne und für meinen weiteren Lebensweg prägende Zeit, an die ich mich immer gerne zurückerinnern werde.“

Juni 2022

Abiturzeit am Amplonius-Gymnasium …

Unter dem Geschäftszeichen II E 3.37-18 Nr. 1818/57 teilt der Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Paul Luchtenberg, am 28. März 1957 der Stadt Rheinberg mit, daß „das städtische Amplonius-Progymnasium in Rheinberg zu einem altsprachlichen Gymnasium für Jungen und Mädchen mit neusprachlichem Zweig (Vollanstalt) ausgebaut wird …“

1960 wird am Amplonius-Gymnasium mit 19 Abiturientinnen und Abiturienten erstmalige eine Abiturprüfung durchgeführt. Bei den zwei Prüfungen anno 1966 (wegen des Kurzschuljahres eine im Frühjahr und eine im Herbst) sind es schon insgesamt 51 Abiturientinnen und Abiturienten. Später sind Abiturjahrgänge mit über 100 Schülerinnen und Schülern fast die Regel.

Mai 2022

Am 1. Mai 1412 schenkt Magister Amplonius Ratingk de Berka vor dem Notar Hartung Pletzichen von Roden-berg in den Räumen des Stifts St. Aposteln zu Köln dem von ihm gestifteten „Kollegium zur Himmelspforte“ an der Universität Erfurt seine umfangreiche Bibliothek.

Auszug aus der Stiftungsurkunde (in deutscher Übersetzung): „Im Namen des Herrn Amen. Im Jahre 1412 nach Geburt des Herrn, während der 5. Indiktion, im 2. Jahre des Pontifikats unseres heiligsten Vaters und Herrn in Christus, des Herrn Johannes XXIII., durch göttliche Vorsehung Papst, am 1. Tag des Monats Mai, etwa zur Stunde der Vesper, hat der ehrwürdige Herr Magister Amplonius aus Rheinberg, Arzt und Chorleiter der Kirche der Hl. Apostel zu Köln, in Gegenwart von mir, des unterschreibenden öffentlichen Notars, und der unten genannten Zeugen, die dazu gerufen und hergebeten worden sind, folgendes versichert: […] hat deshalb derselbe ehrwürdige Magister Amplonius nach der ihm bestmöglichen und ordentlichsten Verfahrensweise, in voller Gesundheit des Leibes und der Seele, aus sicherem Wissen, mit Überlegung, freiwillig und aus eigenem Antrieb in einem Schenkungsakt unter Lebenden, der unwiderruflich in dem Willen zu schenken vollzogen worden ist, dem in Erfurt bei dem Hl. Michael gelegenen Kolleg, das mit gewöhnlichem Namen Himmelspforte heißt und Kolleg des Magisters Amplonius, des Arztes, genannt wird, in einem sogenannten einfachen und unwiderruflichen Schenkungsakt unter Lebenden alle Bücher jedweder Fakultät, die der vorgenannte Magister Amplonius jetzt insgesamt oder getrennt wirklich hat und als Besitz heute besitzt oder auch besitzen wird oder in Zukunft bekommen und erlangen wird, übergeben, geschenkt und gegeben […] zum ewigen Nutzen der Scholaren und sonstigen Personen, die in ihm studieren sollen, […] damit bei ihnen das Studium, die Tugend, die Wissenschaft und das Recht wachse, und nicht zuletzt, damit sie sie zu ihrem größten Nutzen und Vorteil immer besitzen sollen. […]“

600 plus 10

Am 1. Mai 1412 wird die Amplonianische Stiftung ins Leben gerufen. Mit ihr hat der Rheinberger Arzt und Theologe Amplonius Rating(k) de Berka einiges bewirkt und bis heute Spuren hinterlassen.

Wir wissen nicht, wann genau er geboren wurde (in Rheinberg um 1365). Wir wissen nicht, wie er an sein großes Vermögen kam. Wir wissen nicht, wie er aussah, und wir wissen auch nicht, wann genau er starb (um Ostern 1435).

Wohl aber wissen wir, daß sein Wirken für Rheinberg von nachhaltiger Bedeutung war und ist:

Bereits als junger Mann beginnt er, Bücher zu sammeln (und natürlich auch zu lesen!). Er studiert in Prag und Köln und an der neuen Universität in Erfurt, wo er 1939 als erster zum Doktor der Medizin promoviert und schließlich 1394/95 zum zweiten Rektor der Universität aufsteigt.

Amplonius kauft zahlreiche Bücher und läßt auch Texte kopieren. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern existiert noch nicht, Texte werden mit Tinte und Feder auf Pergament geschrieben, oftmals kunstvoll verziert und aufwendig in Leder eingebunden und sind entsprechend teuer: ein komplettes Buch besitzt damals umgerechnet den Wert eines heutigen Klein- bis Mittelklasse-PKW.

Als Amplonius um 1410 seine Büchersammlung katalogisiert, kommen 633 Codices zusammen, – ein enormes Vermögen, ein ungeheurer Schatz! Kein Privatmann nördlich der Alpen besitzt zu dieser Zeit eine größere und intellektuell anspruchsvollere Bibliothek als Amplonius! Und er behält diesen Wissensschatz nicht für sich, sondern macht ihn bildungshungrigen Menschen zugänglich.

Am 1. Mai 1412 vermacht Amplonius seine „Bibliotheca Amploniana“ einer soeben von ihm an der Universität Erfurt eingerichteten Studienstiftung, dem „Collegium Amplonianum“ oder „Collegium Porta Coeli“ (der Name „Himmelspforte“ – lat.: „Porta Coeli“ – stammt von dem Haus, in dem das Kolleg untergebracht ist). Mit dieser Stiftung sichert Amplonius den Bestand seiner Büchersammlung langfristig und macht sie quasi öffentlich.

Und jetzt kommt Rheinberg ins Spiel: Amplonius öffnet seine „Himmelspforte“ in Erfurt für Rheinbergs Jugend und er ermöglicht jungen und begabten Rheinbergern ein (kostenloses) Studium an der Universität Erfurt. Von den 15 in der „Himmelspforte“ zur Verfügung stehenden Kollegiatsstellen können neun von Schülern der Rheinberger Lateinschule besetzt werden. Damit initiiert Amplonius auf visionäre Weise eine beispielhafte Bildungsoffensive zu Gunsten seiner Heimatstadt und der dortigen Schule, die eine nachhaltige Aufwertung und Sicherung erfährt.

Die Lateinschule, Vorläuferschule des heutigen Amplonius-Gymnasiums und bereits 1337 urkundlich erwähnt, wird zum Sprungbrett für zahlreiche akademische Laufbahnen. Aber Amplonius weiß natürlich, dass seine Vorstellungen in einer kleinen Stadt ohne tatkräftige Hilfe kaum dauerhaft umzusetzen sind. Und so unterstützt er seine Geburtsstadt durch zweierlei Maßnahmen:

Zum einen stiftet er den Rheinbergern 300 Goldgulden – zur damaligen Zeit nicht gerade wenig! – zur Sicherung des Bestandes der Lateinschule und zur Besoldung eines Rektors, der den möglichen Kandidaten der Stiftung das erforderliche Rüstzeug für das Studium in Erfurt vermitteln soll. Am 20. April 1433 geloben Bürgermeister und Stadtrat feierlich, „allewege tot ewigen tyden eynen schoel-meyster“ für die Rheinberger Kinder einzustellen und zu besolden.

Eine weitere Hilfe erfährt die Rheinberger Lateinschule durch Amplonius‘ Verfügung, dass nämlich der Rektor der Schule Magister aus dem „Collegium Amplonianum“ und gebürtiger Rheinberger sein soll. Er muß seiner Aufgabe in der Heimatstadt für vier Jahre nachkommen und kann dann zum Abschluß seiner eigenen Studien in die „Himmelspforte“ nach Erfurt zurückkehren.

Zahlreiche Rektoren der Rheinberger Lateinschule, die aus dem „Collegium Amplonianum“ stammen, sind uns bekannt. Den Anfang macht Henricus Bruyn de Berka, insgesamt sechs Rektoren der Rheinberger Lateinschule, die aus dem „Collegium Amplonianum“ stammen, lassen sich in der Frühzeit der Bildungspartnerschaft zwischen Rheinberg und der Stiftung an der Universität Erfurt nachweisen:

1440-1444      (ca.) Henricus Bruyn de Berka. In der Matrikel des „Collegium Amplonianum“ heißt es unter Nr. 13: „… iste rexit scholas in Berka primo inter Berkenses.“

1444-1448      Gottfriedus Walack de Berka: „Rexit post magisterium suum in artibus scholam berkensem 4 annis post Magistrum Henricum Brunonis.“

1452-1456      (ca.) Rudolf Walack.

1456-1460      (ca.) Johann Hoensheim.

1460-1464      Rudolf Walack ist zum 2. Male Rektor der Lateinschule.

1466-1470      Mathias Dulling. Er promoviert 1466 zum Magister und wird unmittelbar danach Schulrektor in Rheinberg.

Weitere Rektoren der Lateinschule, die aus der „Himmelspforte“ kommen, sind uns bekannt.

150 Jahre vor der Gründung des Adolfinums im nahen Moers existiert in Rheinberg also eine gute weiterführende Schule, die erfolgreich mit einer hervorragenden Universität und einer funktionierenden Studienstiftung kooperiert und so zahlreiche akademische Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

Zwischen 1438 und 1517 bekleiden insgesamt 10 Rheinberger die Rektorwürde an der Universität Erfurt. Weitere Rheinberger werden in Erfurt Dekane verschiedener Fakultäten, wiederum andere erhalten die Rektorwürde an bekannten Universitäten wie z.B. 1462 Gerhard Imhof (lat.: in Curia) in Basel, 1463 Johannes Helmich in Basel, 1466 Johannes Pilgrim in Köln … etc.

Die Dekane der „Himmelspforte“ sind – den Stiftungsstatuten entsprechend – Rheinberger; das Besetzungsrecht liegt beim Magistrat der niederrheinischen Stadt. Bis 1816 lassen sich an der „Himmelspforte“ 21 Dekane namentlich benennen, unter ihnen so bedeutende wie die nachfolgend aufgeführten Leiter des Kollegs:

1530-1545      Cornelius Lindanus (wird 1543 Rector Magnificus der Universität Erfurt).

1566-1595      Hugo in Curia (Imhof)  – gibt den lange geübten Glaubenszwang auf und läßt endlich auch Protestanten als Kollegiaten zu.

1596-1644      Hermanus Lindanus oder zur Linde (mehrmals Rector Magnificus der Universität Erfurt: 1619-1622, 1637).

Der letzte Dekan der „Himmelspforte“ ist Jacob Dominicus, der Sohn des Rheinberger Krämers Johannes Lambert Dominicus. Als die Erfurter Universität 1816 schließt, verfügt Dominicus, dass die „Bibliotheca Amploniana“ in Erfurt verbleiben soll (wo sie sich noch heute befindet); das Haus „Zur Himmelspforte“ schließt seine Tore.

Der preußische Staat ist nach 1816 verantwortlich für die Aufsicht und Verwaltung der Amplonianische Stiftung, d.h. er verwaltet das Stiftungsvermögen, legt jährlich den Etat vor und besorgt die termingerechte Auszahlung der Stipendien. Die Stiftung selbst erhält eine neue, zeitgemäße Verfassung, wobei darauf geachtet wird, „in Gemäßheit des letzten Willens des Stifters“ zu handeln. Dieser Verfassung zufolge behält Rheinberg das Recht, aus dem Stiftungsvermögen acht Stipendien für Universitätsstudenten für jeweils drei Jahre zu verliehen.

Gemäß Dr. Aloys Wittrup, der 1903 die alte Lateinschule Rheinbergs in der Rektoratschule (als Keimzelle für das spätere Amplonius-Gymnasium) wieder aufleben läßt, werden auch immer wieder Stipendien an Rheinberger vergeben, beispielsweise an den in Rheinberg allseits geschätzten Geheimen Sanitätsrat Dr. Heinrich Schmitz (Ohmen Hendrek).

Im Februar 1940 teilt der Erfurter Regierungspräsident die Auflösung des Amplonianischen Stipendienfonds zu Gunsten des Staatlichen Kulturfonds Erfurt mit; Proteste der Stadt Rheinberg gegen diesen Verwaltungsakt sind erfolglos. 1943 sind noch Vermögensreste der Amplonianischen Stiftung im Universitätsfonds Erfurt vorhanden, die jedoch im März 1947 – zusammen mit weiteren „alten“ Stiftungen – endgültig und entgegen dem ursprünglichen Stifterwillen in der neu errichteten „Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer“ untergehen und somit dem Zugriff des Rheinberger Rates vollständig entzogen werden.

Der Stiftungsgedanke aber lebt im Rat der Stadt Rheinberg weiter, der Anfang der 1950er Jahre die für damalige Verhältnisse große Summe von 30.000 DM für das Wiederaufleben der Amplonianischen Stiftung aus Rücklagen zur Verfügung stellt, um bedürftige Rheinberger Studenten durch Stipendien, später Darlehen zu unterstützen.

Bis 1988 ist das Vermögen dieses Hilfsfonds auf etwa 133.000 DM angewachsen; 1993 wird dieser Fonds aus rechtlichen Gründen aufgelöst und das Geld in verschiedene Projekte (u.a. in Rheinbergs Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal) und einen „‚Archivfonds Amplonianische Stiftung“ gesteckt.

Im Jahr 2003, dem Jahr des 100-jährigen Schuljubiläums des Amplonius-Gymnasiums, wird dort der innerschulische „Amplonius-Fonds“ ins Leben gerufen. Damit soll an den Namenspatron der Schule erinnert werden und an die historische Bedeutung von Amplonius für die Bildung und Erziehung zahlreicher Rheinberger. Grundstein für die finanzielle Ausstattung des „Amplonius Fonds“ ist ein Restbetrag von 2.800 EUR aus dem „Archivfonds Amplonianische Stiftung“, den die Stadt Rheinberg der Schule dankenswerterweise zur Verfügung stellt. Mit dieser Summe können schon bald die ersten Unterstützungs- und Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler realisiert werden.

2012, zum 600-jährigen Jubiläum der Amplonianischen Stiftung, entsteht die Idee, die Stiftung in größerem Rahmen wiederaufleben zu lassen und Absolventen des Amplonius-Gymnasiums – ganz im Sine des Namensgebers – tatkräftig, d.h. finanziell, zu unterstützen. Zahlreiche Freundinnen und Freunde des Amplonius-Gymnasiums bringen sich in die neue Stiftung ein; Rheinberger Unternehmer, Bürgerinnen und Bürger, pensionierte und aktive Lehrkräfte der Schule, Ehemalige verschiedenster Abiturjahrgänge stellen größere und kleinere Summen zur Verfügung und zum Jahresende 2013 kann die neue Studienstiftung Amplonius NOVUS mit einem Stiftungskapital von 50.003 Euro an den Start gehen.

Seitdem unterstützt Amplonius NOVUS Absolventen des Amplonius-Gymnasiums durch ein Büchergeld zum Beginn des Studiums und durch Studienstipendien. Seit 2013 hat die Stiftung die exzellenten Schulleistungen von 41 Amplonianerinnen und Amplonianern gewürdigt und 3.400 Euro für den Erwerb von Büchern für das Studium zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurden und werden vier Stipendien finanziert, wofür bis heute 18.000 Euro bereitgestellt wurden.

Man sieht: Der 1. Mai 1412 war ein folgenreicher Tag für Rheinberg und seine Bildungslandschaft und noch heute wirken Amplonius‘ Vorstellungen – wenn auch von Vielen unbemerkt – in abgeänderter Form fort!

40 Jahre Schulpartnerschaft Montreuil s/Mer – Rheinberg

Créé en 1982 et toujours aussi fort.

Wenn jetzt nach einer Corona-Pause wieder Schülerinnen und Schüler aus Montreuil s/Mer an das Amplonius-Gymnasium nach Rheinberg kommen, dann kann die Schulpartnerschaft auf ein 40-jähriges Bestehen zurückblicken.

Im Rahmen eines Schulfestes wurde am 22. Mai 1982 die Schulpartnerschaft zwischen dem Rheinberger Gymnasium und dem Lycée sowie dem Collège aus Montreuil s/Mer feierlich besiegelt – et ça marche encore très bien.

Private Kontakte auf Lehrerebene mündeten schon bald in der Idee, die Schülerinnen und Schüler aus dem Pas-de-Calais und dem Niederrhein zusammen zu bringen um sicher besser kennenzulernen, um das jeweilige Partnerland besser zu verstehen, um evtl. vorhandene Vorurteile auszuräumen und – natürlich – um das Interesse an der Sprache des jeweils anderen zu fördern.

Nach umfangreicher Vorbereitung war es dann im Frühjahr 1982 endlich soweit: vor 36 aus Nordfrankreich angereisten Schülerinnen und Schülern sowie ihren sieben Begleitlehrerinnen und –lehrern und ihren neuen Freundinnen und Freunden aus Rheinberg wurde die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet.

In ihrer Rede sprach Karin Muckes, damals Französischlehrerin am Amplonius-Gymnasium, von der Schulpartnerschaft als einem Baum, der gerade gepflanzt wurde und dessen Wachstum engagierte Gärtner und ständige gute Pflege benötigt.

Der Baum Schulpartnerschaft Montreuil-Rheinberg ist seit der Pflanzung erfolgreich gewachsen; er hat auch Stürme und schlechte Witterung überstanden und steht heute gut und fest da. Jedes Jahr wird geerntet, sprich: es finden intensive Begegnungen zwischen den Schülerinnen und Schülern statt und auch auf der privaten Ebene haben sich langjährige und nachhaltige Kontakte, ja Freundschaften entwickelt.

Bereits im Herbst 1982 fuhren die ersten 50 Rheinbergerinnen und Rheinberger zum ersten offiziellen Schüleraustausch nach Montreuil s/Mer. Im Februar 1983 fand der französische Gegenbesuch in Rheinberg statt, und hier erlebten die Montreuiller etwas, was sie so nicht kannten: den Rheinberger Karneval mit allem drum und dran!

Hier wie dort wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Schüleraustausch seit 1982 stets ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zum Kennenlernen des Partnerlandes geboten. Wir erinnern uns an Touren an die Kanalküste in Nordfrankreich (Cap Blanc Nez), an Fahrten in die französische Hauptstadt, nach Amiens, nach Rouen, an die Somme-Mündung bei Saint-Valery-sur-Somme, an Besichtigungen von Fischfabriken, Radiosendern und Zuckerrübenfabriken, an gemeinsame Fahrten nach Köln, Wuppertal oder Aachen, Besuche bei Opel in Bochum, beim Landtag in Düsseldorf oder einer Brauerei in Krefeld … aber auch selbstverständlich an gemeinsame Unterrichtstage, an Sportveranstaltungen und – als jeweiligen Höhepunkt des Austausches – an die soirée franco-allemande, die deutsch-französische Fête, der am nächsten Morgen der tränenreiche Abschied von den Freundinnen und Freunden folgte.

Schon lange hat die Gründungsgeneration der Lehrerinnen und Lehrer Platz gemacht für eine junge Lehrerriege, die die Idee der Schulpartnerschaft engagiert und zielstrebig weiterführt. Gerade in Zeiten wie diesen wird deutlich, wie wichtig die Freundschaft und Verbundenheit zwischen den Völkern ist! Schulpartnerschaften wie die zwischen Rheinberg und Montreuil leisten dabei einen nicht zu unterschätzenden Beitrag.

Danke an alle Beteiligten und weiter so! – Merci à tous les participants et bonne continuation.

. Amplonianer in Montreuil s/Mer im Herbst 1982.

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P.S.: Auf dieser Homepage befinden sich mehrere Dateien mit Photos zur Schulpartnerschaft: Gehen Sie zur Seite „Die Schule“; hier finden Sie PDF-Dateien zu Montreuil s/Mer.

April 2022

1929 wird durch die Pallottiner-Kongregation aus Limburg das Konvikt St. Josef erbaut. Dadurch entsteht in Rheinberg ein für damalige Verhältnisse modernes Schülerheim und die Rektoratschule unter Dr. Aloys Wittrup und das Konvikt St. Josef, geleitet von Pater Otto Eisenbarth, arbeiten von nun ab eng zusammen.

In den Jahren 1930/31 entsteht durch die Unterbringungsmöglichkeiten im Internat ein interessantes Schulangebot für die ländliche Jugend aus der näheren und weiteren Umgebung Rheinbergs. Die Heimschüler des Pallottiner Konvikts besuchen die städtische Rektoratschule.

Die Schülerzahl steigt auf 118 (38 Rheinberger, 80 Auswärtige). In der Folge wird das Gebäude in der Goldstraße zu klein; es erfolgt ein Umzug ins Konvikt St. Josef an der Lützenhofstraße.

März 2022

Erläuterungen zum Kalenderblatt für März 2022:

1904 hat die neue Schule 16 Schüler. Das Schulgeld beträgt 180 Mark im Jahr.

1905 errichtet die katholische Pfarrgemeinde an der Goldstraße ein neues Gebäude für die Rektoratschule. Die Schule hat bereits 43 Schüler in drei Klassen. Das Schulsiegel zeigt den Rheinberger Gelehrten Amplonius de Berka (ca. 1365-1435).

Zum 1. Januar 1912 wird die Stadt Rheinberg Trägerin der Rektoratschule. Gleichzeitig wird die Schule durch Verfügung des Provinzialschulkollegiums dem staatlichen Gymnasium Adolfinum in Moers unterstellt, d.h. der jeweilige Schulleiter der „Schola Meursensis“ ist staatlicher Kommissar für die Rheinberger Rektoratschule und vertritt bei Abschlußprüfungen das Provinzialschulkollegium.