Author Archives: deBerka

April 2021


CA 4° 185: Practica cyrurgice (!) de cauteriis et seconibus. Die Handschrift datiert aus der Zeit des Übergangs vom 13. zum 14. Jahrhundert und ist evtl. italienischer Herkunft. Schum, aaO, S. 444, kommentiert die Abbildungen: „… in Wasserfarben gemalte menschliche Figuren zur Darstellung der einzelnen Kurmethoden in verschiedenen Krankheiten.“ Die hier dargestellten Krankheiten sind Magenerkrankung, Rippenfellentzündung, Zahnschmerzen und Erkrankung der Leber. Die Behandlung erfolgt durch Kauterisation, d.h. durch Zerstörung des betr. Gewebes durch Brennen mit einem Brenneisen oder Ätzmittel.

Amplonius beschäftigt sich schon vor Beginn seines Medizinstudiums intensiv mit dem Fach. Davon zeugt die Anschaffung einer großformatigen Avicenna-Handschrift im Jahr 1384 und das Geschenk eines gewissen Nycolaus ab Austria im Jahr 1385 in Form einer Sammlung grundlegender medizinischer Schultexte (CA. 8° 62b).

In Prag beginnt er sein Medizinstudium, das er 1391 an der Kölner Universität fortsetzt. 1392 wird die Universität Erfurt als fünfte Universität im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eröffnet. Ostern 1392 läßt sich Amplonius als Magister der Artes und Bakkalar der Medizin in die erste Matrikel der Erfurter Universität einschreiben. Bereits 1393 wird Amplonius der erste Doktor der Medizin an der neuen Erfurter Universität. Vom 5. Mai 1394 bis zum 31. Januar 1395 bekleidet er als zweiter das Amt des Rektors an der Hierana.[1] Gleichzeitig praktiziert er in Erfurt auch als Arzt, wie eine eigenhändige Notiz in den medizinischen Schriften seiner Bibliothek belegt:

Amplonius notiert: Am 4. September 1393 sei er zu einem Achtjährigen gerufen worden, dessen „ganzer Körper“ angeschwollen war. Beim Pflanzensammeln hatte er einen kleinen Wurm verzehrt. Diesem Knaben habe er starken, aromatischen Wein über Hals und Brustkorb gegossen, „zum Schutz des Herzens“. Dann habe er ihm von diesem Wein eingeflößt, „damit eine Blähung entstehe“. Das half! Das Kind sei „sofort allein durch die Kraft Gottes“ vom Leiden befreit gewesen, – wie Amplonius als frommer Christ und nach dem Verständnis damaliger Medizin glaubt.

Diese Notiz findet sich im Codes CA 2° 236, Bl. 177-183‘; sie lautet wortgetreu: „Anno 1393 die 4. Septembris erat puer octennis Erphordie ab Amplonio visus, qui inflatus fuit mirabiliter per totum corpus ex comestione vermiculi ventris in collectione sandicis, et iussi ei amministrari tyriacam magnam cum vino aromatico sublimato et invergi collum et thoracem eius ad preservanda cordialia et dedi ei I suppositorium, ut ventositas evanesceret, et statim virtute Dei solius liberatus erat.”[2]

1399 finden wir Amplonius in Köln wieder, wo er an der Universität lehrt und auch das Amt des Rektors ausübt. Im Mai 1401 wird es Leibarzt des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden (bis zu dessen Tod 1414). 1416 verlegt Amplonius seinen Wohnsitz nach Mainz. Er ist Dekan (d.h. wirtschaftlicher Leiter) der Stiftskirche St. Victor in Mainz und Leibarzt des Mainzer Erzbischofs Johann II. von Nassau bis zu dessen Tod 1419.[3]

Aus der Mainzer Zeit existiert ein von Amplonius stammender „Gewürztraktat“, den er für die junge Markgräfin Margarethe von Baden, die seit März 1418 mit Graf Adolf von Nassau verheiratet ist, anfertigt.[4] Darin werden exotische und somit teure Gewürze und ihre Anwendung bei unterschiedlichen Beschwerden beschrieben. Der Anfang dieses Textes lautet: „Dis ist die arczenie die meyster Appolonius gap zu guden iare / lare der edeln grewen grauff Adolffs wibe, vmme liepenes des ersam in gott vatter vnd herren, herren Johans von Nassen erczbischoffs zu Mencz, des arczts der abegenantis meyster Appolonius was …“„Dies ist die Arznei, die Meister Appolonius [i.e. Amplonius] der hochgeborenen Frau Gräfin, der Gattin des Grafen Adolf gab [übers Jahr?, zu nützlichen Lehren?], wegen der Liebe des Ehrenwerten zum Gottvater und Herren, Herrn Johannes von Nassau, Erzbischof von Mainz, dessen Arzt der vorgenannte Meister Appolonius war.“

Bezüglich seiner ärztlichen Tätigkeit in Mainz zieht Frau Dr. Pfeil den Schluß, daß Amplonius der Markgräfin nicht nur den „Gewürztraktat“ schreibt, sondern ihr darüber hinaus auch bei ihren Schwangerschaften als Arzt beisteht, wobei sie alle Geburten überlebt und auch ihre Kinder die damals kritische Säuglingszeit überstehen, was wiederum für die Qualitäten Amplonius‘ als Arzt spricht.[5]

1423 kehrt Amplonius nach Köln zurück und wird Leibarzt des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (bis mindestens 1430). Er stirbt um den 15. April 1435 in St. Aposteln zu Köln.


[1] Hierana = die an der Gera Liegende. Dies ist die landläufige Benennung der von 1392 bis 1816 bestehenden alten Erfurter Universität. Der Name bezieht sich auf den Erfurt durchquerenden Fluss Gera (lat.: hiera), an dessen Ufern die Einrichtungen der Universität liegen.

[2] zitiert nach Schum, aaO, S. 147

[3] Johann von Nassau ist gleichzeitig Kanzler der Erfurter Universität.

[4] Siehe Pfeil, doctor in medicina, S. 2 ff

[5] Vgl. Pfeil, doctor in medicina, S. 4

März 2021

CA 2° 32, Bl. 74-78: Liber Averroys commentatoris de phisonomia (Averroes: Liber physionomiae). Anfang eines naturphilosophischen Kommentars von Averroes zu Aristoteles. Der Text beginnt mit den Worten: „Elegantius est nature cognitio que per exteriores formas interiores inuestigat qualitates …” Die Handschrift stammt aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. In der Miniatur ist ein Lehrer im Diskurs mit seinem Schüler dargestellt.

Averroes, so der latinisierte Name für Abū l-Walīd Muhammad ibn Ahmad Ibn Ruschd, kurz Ibn Ruschd, wird 1126 in al-Andalus (Andalusien), in Córdoba, der Hauptstadt des gleichnamigen Kalifats und damals eine der größten Städte der bekannten Welt, geboren. Der Arzt, Jurist und Philosoph verfaßt Kommentare zu fast allen Schriften des Aristoteles, weswegen er im Mittelalter oft einfach nur „der Kammentator“ genannt wird (wohingegen Aristoteles als „der Philosoph“ bezeichnet wird).

Aristoteles als die Autorität des spätmittelalterlichen Geisteslebens nimmt mit seinen eigenen Werken in der Amploniana zum Teil in sehr aufwendigen Ausfertigungen einen großen Raum ein, ebenso wie die sog. „pseudo-aristotelischen“ Schriften (z.B. CA. 2° 263) und die in Latein abgefaßten Kommentare von Averroes. Amplonius besitzt mehr als 650 Einzelschriften von oder über Aristoteles.

Von Averroes liegen auch medizinische Schriften vor. Sein Hauptwerk zur Heilkunde, eine medizinische Enzyklopädie mit dem lat. Titel Liber universalis de medicina, hat die abendländische Medizin entscheidend beeinflußt. Hier befaßt sich der arabische Arzt mit den Themenbereichen Anatomie, Hygiene, Pathologie, Physiologie, Therapeutik etc. und ist für seine mittelalterlichen Nachfolger ausgesprochen wichtig.

Februar 2021

CA 4° 194 Bl. 65 ff: Das Pestgutachten der medizinischen Fakultät der Universität Paris: „Tractatus de epidimia (a. 1349 a facultate medica Parisiensi editus“). Der Text beginnt wie folgt: „Visis effectibus quorum causa latet etiam ingeniosissimos intellectus mens humana in admirationem deducitur, et cum ei insit apprehensionis boni verique innata cupido, nam omnia bonum appetunt et scire desiderant, ut patet per philosophum euidenter. …“ – Vgl. Paasch, aaO, S. 175.

Auch unser Magister Amplonius de Berka setzt sich mit der verheerenden Pest-Epidemie auseinander, studiert Pesttraktate, die er in seiner Bibliothek sammelt, und schreibt höchstselbst ein „Regimen contra pestilenciam“. Der Mediziner ist höchst besorgt, — um seine Patienten und Mitmenschen und natürlich um seine Kollegiaten in Erfurt. Denn die epydimia ist auch eine Gefahr für das Collegium Amplonianum, für die dort studierenden jungen Akademiker und letztendlich auch für die überaus wertvolle Bibliothek. Folglich weist der Stifter seine Stipendiaten im Dezember 1433 in den Statuten des Kollegs an, bei einem Ausbruch der Pest die „Himmelspforte“ zu verlassen, und zwar „cito, longe et tarde“.

Er befiehlt, daß die Bibliothek geschlossen werden muß (die Schlüssel sind beim Erfurter Rat abzugeben) und alle Personen an Orte zu gehen haben, an denen keine Pest herrscht. Amplonius fordert: „fuge cito de loco pestilenciali ad locum non pestilencialem longe et tarde redibis”.

Was rät Doktor Amplonius, um nicht an der Pest zu erkranken und zu sterben? Er sagt, man soll Abstand halten von „zw vill lewtten“ (von zu vielen Leuten), möglichst keine fremden Wohnstuben und Häuser besuchen, da hier ein großes Potential für gegenseitige Ansteckung besteht und keine Badehäuser („patstuben“) frequentieren. Weiterhin soll man regelmäßig gewisse Hygienemaßnahmen durchführen, z.B. morgens und abends seine Kammer mit einem Gemisch aus Wacholder, Lorbeer und Wermut („kranwitper, lorber und wermut“) ausräuchern und selbst diesen Rauch intensiv inhalieren („zeuch den ruckh in dich mit grossem vleiß“). Außerdem soll man Hände und Gesicht oft mit Wasser oder Essig reinigen („Man sol hent und antlitz offt waschen mit wasser oder mit essich“), wobei man sich – so wird schon vorher gesagt – vor „rohem wasser“ hüten soll, was nichts anderes heißt, als daß man das Wasser abkochen soll. Außerdem soll man gewisse Ernährungsmaßregeln befolgen, also beispielsweise Walnüße mit einem Schluck Wein zu sich nehmen („guet walisch nuß; und thue dar auff ein guetten trunckh wein“), bevor man seine Kammer verläßt, und allen Speisen Essig hinzufügen („und in all dein speiß thue essich“).

Und als Quintessenz aller Ratschläge fordert „meyster Apollonius“, man solle stets züchtig und fröhlich sein, um das Blut in seiner vollständigen Kraft zu erhalten: „allzeit in zuchten frolich, so wehaltes dw das pluet in seiner krafft.“

Januar 2021

Jeden Monat präsentieren wir hier anhand privater Aufnahmen unterschiedliche Details aus Büchern der Bibliotheca Amploniana, die Amplonius am 1. Mai 1412 dem von ihm gegründeten Collegium Amplonianum „für ewige Zeiten“ („perpetuis temporibus“) vermachte. Unter den Kalenderblättern finden Sie eine kurze Einordnung der einzelnen Blätter des Kalenders in den Kontext der Bibliotheca Amploniana.

Aus dem „Catalogus librorum“, dem eigenhändig geschriebenen Bücherverzeichnis des Amplonius. Beginn des Kapitels zu den medizinischen Büchern: „De medicina“. Amplonius besitzt in der Medizin 101 Codices mit insgesamt über 800 Einzelwerken. Es sind dies Schriften unterschiedlichster Herkunft, alle wichtig und notwendig für ein Medizinstudium zu jener Zeit. Wir finden in seiner Sammlung Werke antiker, jüdischer, arabischer und abendländischer Herkunft.

Die medizinischen Schriften der Bibliotheca Amploniana sind ein MUSS für alle Erfurter Medizinstudenten. In den Statuten des Collegium Amplonianum aus dem Jahr 1433 weist Amplonius seine Kollegiaten an, welche Schriften sie studieren sollten:

XXIV. Item statuo quod magister talis ut premittitur studebit artem commentattam Hippocratis et Galeni amphorismos et notabilia commentorum diligenter incorporando, si ad medicinam iste talis se contulerit; preterea primum canones Auicenne Almansorium Rasis colliget Aueronis viaticum Constantini cum commento Giraldi et Ysaac de vrinis, et per mensem tempore verno frequenter sit in apothecis discendo conficere clisteria suppositoria nastalia pessaria syropos et similia sibi necessaria et confectiones, antequam fiat baccalarius in dicta facultate medicine.

Wie im gesamten catalogus librorum üblich, folgt der Überschrift mit der Fachbenennung und dem Besitzvermerk der erste Band, beginnend mit der Zahlenangabe „primo“. Alle folgenden Codices beginnen mit „item“ – „ebenfalls“.

Die in einem Codex zusammengefaßten Schriften sind mit einer Klammer links vom Text verbunden, wobei die in der Mitte der Klammer stehende Zahl (durch das hochgestellte „m“ als Ordnungszahl ausgewiesen) die fortlaufende Numerierung des Bandes in der Abteilung darstellt.

Manche Codices sind mehrfach vorhanden. So ist der persische Arzt und Naturwissenschaftler Ibn Sina, latinisiert Avicenna, gleich mit 17 Kopien seines Kanons der Medizin in der amplonianischen Bibliothek vertreten. Bereits 1384 kauft Amplonius für den damals enormen Preis von 6 rheinischen Gulden von Tilmann von Siegburg, Leibarzt des Kölner Erzbischofs, eine großformatige Avicenna-Handschrift.

Und er liest bzw. studiert die gesammelten Schriften auch! Darüber gibt eine von Amplonius selbst geschriebene Notiz Auskunft, in der er festhält, daß er den gesamten „Canon“ des Avicenna (CA. 2° 252) einen ganzen Sommer hindurch vom 31. Mai bis zum Martinstag 1422 gründlich studiert hat: „Ego Amplonius hunc librum perlegi studiose a principio ad finem a. 1422 in estate a festo pasche usque ad Martini festum.“

Weiterhin enthält die Bibliotheca Amploniana medizinische Werke u.a. von Rhazes, Averroes, die Apho-rismen des Hippokrates, ein Kommentar Galens zu Hippokrates und Schriften des Constantinus Africanus.

Amplonius-Kalender 2021

Jedes Zeitalter hat seine Seuche. Was aktuell das Coronavirus SARS-CoV-2 für den heutigen Menschen ist, war für das Mittelalter die Pest (lateinisch pestilentia). Auch unser Magister Amplonius de Berka (ca. 1365-1435) setzte sich mit den verheerenden Pest-Epidemien auseinander, studierte Pesttraktate, die er in seiner Bibliothek sammelte, schrieb höchstselbst ein „Regimen contra pestilenciam“ und gab darin u.a. die Anweisung, Abstand zu halten von „zw vill lewtten“ (von zu vielen Leuten), möglichst keine fremden Wohnstuben und Häuser zu besuchen, da hier ein großes Potential für gegenseitige Ansteckung besteht, und „man sol hent und antlitz offt waschen mit wasser oder mit essich …“

Detail aus dem Kalenderblatt für März 2021

Amplonius NOVUS, die Studienstiftung für das Amplonius-Gymnasium, hat traditionsgemäß auch für das kommende Jahr 2021 einen Kalender aufgelegt. Aber in den Zeiten der Corona-Pandemie wollen auch wir – wie Amplonius es rät – Abstand halten von „zw vill lewtten“. Wir werden unseren Kalender deshalb nicht als gedrucktes Exemplar im Gymnasium verkaufen, sondern stellen ihn als PDF-Datei online hier auf der Homepage der Stiftung zum Herunterladen zur Verfügung. Gleichzeitig bieten wir eine weitere Datei zum Download an, die Erläuterungen gibt zu den einzelnen Kalenderblättern und sie ein wenig in den Zusammenhang der Bibliothek einzuordnen versucht.

Unter dem Titel „Isti sunt libri, quos ego Amplonius Ratinck de Berka habeo …“ zeigen wir – wie schon in den Jahren 2017 und 2020 – auch für 2021 jeden Monat ein neues Schmuckblatt aus der Bibliotheca Amploniana, der großen privaten Büchersammlung des Rheinberger Magisters und Mediziners Amplonius.

Wir beginnen mit einem Einblick in den um 1410/12 von Amplonius mit eigener Hand geschriebenen Bücherkatalog (catalogus librorum), in dem er alle seine Bücher aufgelistet hat. Das Februarblatt zeigt eine Abschrift des Pestgutachtens der medizinischen Fakultät der Universität Paris von 1348. Im Mai 2021 werfen wir einen Blick auf die Stiftungsurkunde vom 1.5.1412 zur Gründung des Collegium Amplonianum in Erfurt. Es folgen mehrere medizinische Schriften aus der Amploniana, eine Euklid-Bearbeitung, Aphorismen des Hippokrates, Thomas von Aquin Questiones de veritate, Wilhelm von Auvergne Über Tugenden und Laster und schließlich im Dezember 2021 ein Handschriften-Blatt zu den Sprüchen Salomos.

Detail aus dem Kalenderblatt für September 2021

Sowohl der Kalender als auch die dazugehörigen Erläuterungen können kostenlos von der Stiftungshomepage heruntergeladen werden. Wir wären jedoch sehr dankbar, wenn Nutzer die Arbeit der Stiftung mit einer Spende unterstützen würden. Unsere Bankverbindung bei der Sparkasse am Niederrhein lautet: IBAN DE40 3545 0000 1101 0368 44.

Seit 2013 ist Amplonius NOVUS für Absolventen des Amplonius-Gymnasiums tätig und unterstützt talentierte Amplonianerinnen und Amplonianer bei ihrem Studium. Jede Zuwendung kommt direkt bei den Amplonianerinnen und Amplonianern an!

Bis heute wurden 37 Abiturientinnen und Abiturienten bei ihrem Eintritt in ein Hochschulstudium durch ein Büchergeld zur Anschaffung von Erstliteratur unterstützt. Dafür hat die Stiftung bislang 3.000 Euro „in die Hand genommen“. Seit 2014 werden Studentinnen und Studenten mit einem monatlichen Lebenshaltungszuschuß von 100 Euro unterstützt. Augenblicklich hat die Stiftung drei Stipendiaten; bislang wurden über 14.000 Euro an Stipendien ausgezahlt.

Wir hoffen, im nächsten Jahr für 2022 wieder einen gedruckten Amplonius-Kalender vorlegen zu können – bis dahin aber halten wir Abstand von „zw vill lewtten“.

Der Arzt Amplonius de Berka und die Pest

Jedes Zeitalter hat seine Seuche. Was aktuell das Coronavirus SARS-CoV-2 für den heutigen Menschen ist, war für das Mittelalter die Pestilenz (lat.: pestilentia). Natürlich hat sich auch Amplonius als Arzt mit der Seuche beschäftigt und es gibt Zeugnisse von ihm, wie damit umgegangen werden sollte.

Zunächst einmal hat er Literatur zur Pest gesammelt und studiert. In der Bibliotheca Amploniana gibt es nicht nur eine Kopie des Pestgutachtens der medizinischen Fakultät der Universität Paris (CA 4° 194), sondern auch weitere Pestschriften und –traktate von Medizinern der damaligen Epoche.

Von Amplonius selbst gibt es dann im Dezember 1433 Ratschläge für den Umgang mit der Pest in den Statuten seines Collegium Amplonianum. Bei einem Ausbruch der Pest, so fordert er seine Collegiaten auf, sei die „Himmelspforte“ zu verlassen, und zwar „cito, longe et tarde“.

In verschiedenen Bibliotheken existieren Pestschriften eines „hoch gelerte[n] Doctor der arzneij appolonij Maijntz“ bzw. eines „Apollonius de Colonia“. Daß es sich hierbei um unseren Amplonius Ratingk de Berka handelt, ist mehr als wahrscheinlich. Hat Amplonius probate Mittel gegen die Seuche gefunden? …

Lesen Sie dazu hier mehr:

Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB), Codex Cod. Guelf. 429 Helmst. I II, Blatt 66r (Ausschnitt)


Abbildung oben: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB), Codex Cod. Guelf. 429 Helmst. I II, Blatt 66r (Ausschnitt): „Recepta contra pestilentiam“.

Amplonius-Stipendiaten

Will man Bildung fördern – das wußte schon der „Ersame Herr Amplonius Ratinck van Berke“ – dann muss man Geld in die Hand nehmen. Und deshalb stiftete er 1412 nicht nur seine große Privatbibliothek an das von ihm gegründete Studienkolleg „Zur Himmelspforte“, sondern spendierte dieser Bildungseinrichtung auch noch ein Grundkapital von 2.400 Goldgulden zur Versorgung und Förderung von Studenten (u.a. aus seiner Geburtsstadt Rheinberg).

In der Nachfolge des mittelalterlichen Gelehrten fördert die Studienstiftung Amplonius NOVUS Absolventinnen und Absolventen des Amplonius-Gymnasiums Rheinberg an der Schwelle zur Universität und im Verlauf ihres Hochschulstudiums.

Seit der Neugründung der amplonianischen Stiftung im Jahr 2013 hat Amplonius NOVUS insgesamt über 13.000 Euro für die Bildung Rheinberger Gymnasiasten gestiftet: 10.800 Euro für Stipendien als Lebenshaltungszuschüsse im Studium und 2.500 Euro als sog. Büchergeld zur Literaturbeschaffung beim Einstieg in die Universität.

Am vergangenen Mittwoch hat der Stiftungsvorstand beschlossen, für das kommende Studienjahr zwei Erstsemester aus Rheinberg und einen fortgeschrittenen Studenten kurz vor dem Studienabschluss durch Stipendien zu fördern.

Drei Stipendiaten also für Amplonius NOVUS, d.h. einer/eine mehr als bisher! Wer wird von der Rheinberger Stiftung gefördert?

Man muss am Amplonius-Gymnasium sein Abitur abgelegt haben – und zwar mit einem überdurchschnittlich guten Notendurchschnitt, man muss von einer Lehrkraft der Schule empfohlen werden und man muss während der Schulzeit ein besonderes gesellschaftliches Engagement an den Tag gelegt haben.

Von den neuen Amplonius-Stipendiaten studieren zwei im Fachbereich Medizin (wir erinnern uns: auch Amplonius studierte, lehrte und praktizierte als „ind der kunsten van artzedyen Doctoir“) und eine Stipendiatin bestreitet ein Lehramtsstudium.

Der Stiftungsvorstand freut sich, dieses Mal gleich drei jungen Amplonianerinnen und Amplonianern fördernd zur Seite stehen zu können. Noch größer wäre die Freude, wenn die Arbeit der Stiftung durch weitere Spenden Unterstützung erfahren würde. Die Bankverbindung von Amplonius NOVUS (IBAN) lautet: DE40 3545 0000 1101 0368 44 (Sparkasse am Niederrhein). Jeder Geldbetrag, ob groß oder klein, hilft, die Arbeit der Stiftung zu unterstützen, d.h. junge Rheinbergerinnen und Rheinberger im Studium zu fördern.

Zum Beitragsbild: Ausschnitt aus der Stiftungsurkunde von 1412

Ehemaligentreffen abgesagt

Das Ehemaligentreffen am 29. August 2020 ist wegen der Corona-Pandemie von der Schule abgesagt worden. Die Schulleitung schreibt: „Wir haben lange ausgeharrt, ob unser schönes Vorhaben eines großen Ehemaligentreffens nicht doch noch zu retten ist, jedoch lassen die Umstände eine Durchführung in diesem Jahr leider nicht zu. Wir gehen somit mit den Planungen in das nächste Jahr und werden Sie informieren, sobald wir einen Termin festgelegt haben.

Ehemaligentreffen 2003 im Forum

Bis dahin wünschen wir Ihnen alles Gute und freuen uns auf
Sie im Spätsommer 2021! Herzliche Grüße aus Rheinberg,

Marcus Padtberg, Schulleiter

Sencan Taşcı, Stellv. Schulleiterin

Ehemaligentreffen 2003: Abends im Zelt auf dem Schulhof

Hier zum Download Bilder vom Ehemaligentreffen 2003: Amplonius-Ehemaligentreffen-2003-PDF

Stipendium 2020

Am kommenden 12. August findet die Vorstandssitzung von Amplonius NOVUS statt. Alle Anträge für ein Stipendium sollten möglichst bis zu diesem Termin per eMail eingereicht werden an: amplonius-novus@t-online.de

Ein Bewerbungsbogen befindet sich im Download-Bereich dieser Homepage.