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Mai 2022

Am 1. Mai 1412 schenkt Magister Amplonius Ratingk de Berka vor dem Notar Hartung Pletzichen von Roden-berg in den Räumen des Stifts St. Aposteln zu Köln dem von ihm gestifteten „Kollegium zur Himmelspforte“ an der Universität Erfurt seine umfangreiche Bibliothek.

Auszug aus der Stiftungsurkunde (in deutscher Übersetzung): „Im Namen des Herrn Amen. Im Jahre 1412 nach Geburt des Herrn, während der 5. Indiktion, im 2. Jahre des Pontifikats unseres heiligsten Vaters und Herrn in Christus, des Herrn Johannes XXIII., durch göttliche Vorsehung Papst, am 1. Tag des Monats Mai, etwa zur Stunde der Vesper, hat der ehrwürdige Herr Magister Amplonius aus Rheinberg, Arzt und Chorleiter der Kirche der Hl. Apostel zu Köln, in Gegenwart von mir, des unterschreibenden öffentlichen Notars, und der unten genannten Zeugen, die dazu gerufen und hergebeten worden sind, folgendes versichert: […] hat deshalb derselbe ehrwürdige Magister Amplonius nach der ihm bestmöglichen und ordentlichsten Verfahrensweise, in voller Gesundheit des Leibes und der Seele, aus sicherem Wissen, mit Überlegung, freiwillig und aus eigenem Antrieb in einem Schenkungsakt unter Lebenden, der unwiderruflich in dem Willen zu schenken vollzogen worden ist, dem in Erfurt bei dem Hl. Michael gelegenen Kolleg, das mit gewöhnlichem Namen Himmelspforte heißt und Kolleg des Magisters Amplonius, des Arztes, genannt wird, in einem sogenannten einfachen und unwiderruflichen Schenkungsakt unter Lebenden alle Bücher jedweder Fakultät, die der vorgenannte Magister Amplonius jetzt insgesamt oder getrennt wirklich hat und als Besitz heute besitzt oder auch besitzen wird oder in Zukunft bekommen und erlangen wird, übergeben, geschenkt und gegeben […] zum ewigen Nutzen der Scholaren und sonstigen Personen, die in ihm studieren sollen, […] damit bei ihnen das Studium, die Tugend, die Wissenschaft und das Recht wachse, und nicht zuletzt, damit sie sie zu ihrem größten Nutzen und Vorteil immer besitzen sollen. […]“

600 plus 10

Am 1. Mai 1412 wird die Amplonianische Stiftung ins Leben gerufen. Mit ihr hat der Rheinberger Arzt und Theologe Amplonius Rating(k) de Berka einiges bewirkt und bis heute Spuren hinterlassen.

Wir wissen nicht, wann genau er geboren wurde (in Rheinberg um 1365). Wir wissen nicht, wie er an sein großes Vermögen kam. Wir wissen nicht, wie er aussah, und wir wissen auch nicht, wann genau er starb (um Ostern 1435).

Wohl aber wissen wir, daß sein Wirken für Rheinberg von nachhaltiger Bedeutung war und ist:

Bereits als junger Mann beginnt er, Bücher zu sammeln (und natürlich auch zu lesen!). Er studiert in Prag und Köln und an der neuen Universität in Erfurt, wo er 1939 als erster zum Doktor der Medizin promoviert und schließlich 1394/95 zum zweiten Rektor der Universität aufsteigt.

Amplonius kauft zahlreiche Bücher und läßt auch Texte kopieren. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern existiert noch nicht, Texte werden mit Tinte und Feder auf Pergament geschrieben, oftmals kunstvoll verziert und aufwendig in Leder eingebunden und sind entsprechend teuer: ein komplettes Buch besitzt damals umgerechnet den Wert eines heutigen Klein- bis Mittelklasse-PKW.

Als Amplonius um 1410 seine Büchersammlung katalogisiert, kommen 633 Codices zusammen, – ein enormes Vermögen, ein ungeheurer Schatz! Kein Privatmann nördlich der Alpen besitzt zu dieser Zeit eine größere und intellektuell anspruchsvollere Bibliothek als Amplonius! Und er behält diesen Wissensschatz nicht für sich, sondern macht ihn bildungshungrigen Menschen zugänglich.

Am 1. Mai 1412 vermacht Amplonius seine „Bibliotheca Amploniana“ einer soeben von ihm an der Universität Erfurt eingerichteten Studienstiftung, dem „Collegium Amplonianum“ oder „Collegium Porta Coeli“ (der Name „Himmelspforte“ – lat.: „Porta Coeli“ – stammt von dem Haus, in dem das Kolleg untergebracht ist). Mit dieser Stiftung sichert Amplonius den Bestand seiner Büchersammlung langfristig und macht sie quasi öffentlich.

Und jetzt kommt Rheinberg ins Spiel: Amplonius öffnet seine „Himmelspforte“ in Erfurt für Rheinbergs Jugend und er ermöglicht jungen und begabten Rheinbergern ein (kostenloses) Studium an der Universität Erfurt. Von den 15 in der „Himmelspforte“ zur Verfügung stehenden Kollegiatsstellen können neun von Schülern der Rheinberger Lateinschule besetzt werden. Damit initiiert Amplonius auf visionäre Weise eine beispielhafte Bildungsoffensive zu Gunsten seiner Heimatstadt und der dortigen Schule, die eine nachhaltige Aufwertung und Sicherung erfährt.

Die Lateinschule, Vorläuferschule des heutigen Amplonius-Gymnasiums und bereits 1337 urkundlich erwähnt, wird zum Sprungbrett für zahlreiche akademische Laufbahnen. Aber Amplonius weiß natürlich, dass seine Vorstellungen in einer kleinen Stadt ohne tatkräftige Hilfe kaum dauerhaft umzusetzen sind. Und so unterstützt er seine Geburtsstadt durch zweierlei Maßnahmen:

Zum einen stiftet er den Rheinbergern 300 Goldgulden – zur damaligen Zeit nicht gerade wenig! – zur Sicherung des Bestandes der Lateinschule und zur Besoldung eines Rektors, der den möglichen Kandidaten der Stiftung das erforderliche Rüstzeug für das Studium in Erfurt vermitteln soll. Am 20. April 1433 geloben Bürgermeister und Stadtrat feierlich, „allewege tot ewigen tyden eynen schoel-meyster“ für die Rheinberger Kinder einzustellen und zu besolden.

Eine weitere Hilfe erfährt die Rheinberger Lateinschule durch Amplonius‘ Verfügung, dass nämlich der Rektor der Schule Magister aus dem „Collegium Amplonianum“ und gebürtiger Rheinberger sein soll. Er muß seiner Aufgabe in der Heimatstadt für vier Jahre nachkommen und kann dann zum Abschluß seiner eigenen Studien in die „Himmelspforte“ nach Erfurt zurückkehren.

Zahlreiche Rektoren der Rheinberger Lateinschule, die aus dem „Collegium Amplonianum“ stammen, sind uns bekannt. Den Anfang macht Henricus Bruyn de Berka, insgesamt sechs Rektoren der Rheinberger Lateinschule, die aus dem „Collegium Amplonianum“ stammen, lassen sich in der Frühzeit der Bildungspartnerschaft zwischen Rheinberg und der Stiftung an der Universität Erfurt nachweisen:

1440-1444      (ca.) Henricus Bruyn de Berka. In der Matrikel des „Collegium Amplonianum“ heißt es unter Nr. 13: „… iste rexit scholas in Berka primo inter Berkenses.“

1444-1448      Gottfriedus Walack de Berka: „Rexit post magisterium suum in artibus scholam berkensem 4 annis post Magistrum Henricum Brunonis.“

1452-1456      (ca.) Rudolf Walack.

1456-1460      (ca.) Johann Hoensheim.

1460-1464      Rudolf Walack ist zum 2. Male Rektor der Lateinschule.

1466-1470      Mathias Dulling. Er promoviert 1466 zum Magister und wird unmittelbar danach Schulrektor in Rheinberg.

Weitere Rektoren der Lateinschule, die aus der „Himmelspforte“ kommen, sind uns bekannt.

150 Jahre vor der Gründung des Adolfinums im nahen Moers existiert in Rheinberg also eine gute weiterführende Schule, die erfolgreich mit einer hervorragenden Universität und einer funktionierenden Studienstiftung kooperiert und so zahlreiche akademische Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

Zwischen 1438 und 1517 bekleiden insgesamt 10 Rheinberger die Rektorwürde an der Universität Erfurt. Weitere Rheinberger werden in Erfurt Dekane verschiedener Fakultäten, wiederum andere erhalten die Rektorwürde an bekannten Universitäten wie z.B. 1462 Gerhard Imhof (lat.: in Curia) in Basel, 1463 Johannes Helmich in Basel, 1466 Johannes Pilgrim in Köln … etc.

Die Dekane der „Himmelspforte“ sind – den Stiftungsstatuten entsprechend – Rheinberger; das Besetzungsrecht liegt beim Magistrat der niederrheinischen Stadt. Bis 1816 lassen sich an der „Himmelspforte“ 21 Dekane namentlich benennen, unter ihnen so bedeutende wie die nachfolgend aufgeführten Leiter des Kollegs:

1530-1545      Cornelius Lindanus (wird 1543 Rector Magnificus der Universität Erfurt).

1566-1595      Hugo in Curia (Imhof)  – gibt den lange geübten Glaubenszwang auf und läßt endlich auch Protestanten als Kollegiaten zu.

1596-1644      Hermanus Lindanus oder zur Linde (mehrmals Rector Magnificus der Universität Erfurt: 1619-1622, 1637).

Der letzte Dekan der „Himmelspforte“ ist Jacob Dominicus, der Sohn des Rheinberger Krämers Johannes Lambert Dominicus. Als die Erfurter Universität 1816 schließt, verfügt Dominicus, dass die „Bibliotheca Amploniana“ in Erfurt verbleiben soll (wo sie sich noch heute befindet); das Haus „Zur Himmelspforte“ schließt seine Tore.

Der preußische Staat ist nach 1816 verantwortlich für die Aufsicht und Verwaltung der Amplonianische Stiftung, d.h. er verwaltet das Stiftungsvermögen, legt jährlich den Etat vor und besorgt die termingerechte Auszahlung der Stipendien. Die Stiftung selbst erhält eine neue, zeitgemäße Verfassung, wobei darauf geachtet wird, „in Gemäßheit des letzten Willens des Stifters“ zu handeln. Dieser Verfassung zufolge behält Rheinberg das Recht, aus dem Stiftungsvermögen acht Stipendien für Universitätsstudenten für jeweils drei Jahre zu verliehen.

Gemäß Dr. Aloys Wittrup, der 1903 die alte Lateinschule Rheinbergs in der Rektoratschule (als Keimzelle für das spätere Amplonius-Gymnasium) wieder aufleben läßt, werden auch immer wieder Stipendien an Rheinberger vergeben, beispielsweise an den in Rheinberg allseits geschätzten Geheimen Sanitätsrat Dr. Heinrich Schmitz (Ohmen Hendrek).

Im Februar 1940 teilt der Erfurter Regierungspräsident die Auflösung des Amplonianischen Stipendienfonds zu Gunsten des Staatlichen Kulturfonds Erfurt mit; Proteste der Stadt Rheinberg gegen diesen Verwaltungsakt sind erfolglos. 1943 sind noch Vermögensreste der Amplonianischen Stiftung im Universitätsfonds Erfurt vorhanden, die jedoch im März 1947 – zusammen mit weiteren „alten“ Stiftungen – endgültig und entgegen dem ursprünglichen Stifterwillen in der neu errichteten „Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer“ untergehen und somit dem Zugriff des Rheinberger Rates vollständig entzogen werden.

Der Stiftungsgedanke aber lebt im Rat der Stadt Rheinberg weiter, der Anfang der 1950er Jahre die für damalige Verhältnisse große Summe von 30.000 DM für das Wiederaufleben der Amplonianischen Stiftung aus Rücklagen zur Verfügung stellt, um bedürftige Rheinberger Studenten durch Stipendien, später Darlehen zu unterstützen.

Bis 1988 ist das Vermögen dieses Hilfsfonds auf etwa 133.000 DM angewachsen; 1993 wird dieser Fonds aus rechtlichen Gründen aufgelöst und das Geld in verschiedene Projekte (u.a. in Rheinbergs Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal) und einen „‚Archivfonds Amplonianische Stiftung“ gesteckt.

Im Jahr 2003, dem Jahr des 100-jährigen Schuljubiläums des Amplonius-Gymnasiums, wird dort der innerschulische „Amplonius-Fonds“ ins Leben gerufen. Damit soll an den Namenspatron der Schule erinnert werden und an die historische Bedeutung von Amplonius für die Bildung und Erziehung zahlreicher Rheinberger. Grundstein für die finanzielle Ausstattung des „Amplonius Fonds“ ist ein Restbetrag von 2.800 EUR aus dem „Archivfonds Amplonianische Stiftung“, den die Stadt Rheinberg der Schule dankenswerterweise zur Verfügung stellt. Mit dieser Summe können schon bald die ersten Unterstützungs- und Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler realisiert werden.

2012, zum 600-jährigen Jubiläum der Amplonianischen Stiftung, entsteht die Idee, die Stiftung in größerem Rahmen wiederaufleben zu lassen und Absolventen des Amplonius-Gymnasiums – ganz im Sine des Namensgebers – tatkräftig, d.h. finanziell, zu unterstützen. Zahlreiche Freundinnen und Freunde des Amplonius-Gymnasiums bringen sich in die neue Stiftung ein; Rheinberger Unternehmer, Bürgerinnen und Bürger, pensionierte und aktive Lehrkräfte der Schule, Ehemalige verschiedenster Abiturjahrgänge stellen größere und kleinere Summen zur Verfügung und zum Jahresende 2013 kann die neue Studienstiftung Amplonius NOVUS mit einem Stiftungskapital von 50.003 Euro an den Start gehen.

Seitdem unterstützt Amplonius NOVUS Absolventen des Amplonius-Gymnasiums durch ein Büchergeld zum Beginn des Studiums und durch Studienstipendien. Seit 2013 hat die Stiftung die exzellenten Schulleistungen von 41 Amplonianerinnen und Amplonianern gewürdigt und 3.400 Euro für den Erwerb von Büchern für das Studium zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig wurden und werden vier Stipendien finanziert, wofür bis heute 18.000 Euro bereitgestellt wurden.

Man sieht: Der 1. Mai 1412 war ein folgenreicher Tag für Rheinberg und seine Bildungslandschaft und noch heute wirken Amplonius‘ Vorstellungen – wenn auch von Vielen unbemerkt – in abgeänderter Form fort!

40 Jahre Schulpartnerschaft Montreuil s/Mer – Rheinberg

Créé en 1982 et toujours aussi fort.

Wenn jetzt nach einer Corona-Pause wieder Schülerinnen und Schüler aus Montreuil s/Mer an das Amplonius-Gymnasium nach Rheinberg kommen, dann kann die Schulpartnerschaft auf ein 40-jähriges Bestehen zurückblicken.

Im Rahmen eines Schulfestes wurde am 22. Mai 1982 die Schulpartnerschaft zwischen dem Rheinberger Gymnasium und dem Lycée sowie dem Collège aus Montreuil s/Mer feierlich besiegelt – et ça marche encore très bien.

Private Kontakte auf Lehrerebene mündeten schon bald in der Idee, die Schülerinnen und Schüler aus dem Pas-de-Calais und dem Niederrhein zusammen zu bringen um sicher besser kennenzulernen, um das jeweilige Partnerland besser zu verstehen, um evtl. vorhandene Vorurteile auszuräumen und – natürlich – um das Interesse an der Sprache des jeweils anderen zu fördern.

Nach umfangreicher Vorbereitung war es dann im Frühjahr 1982 endlich soweit: vor 36 aus Nordfrankreich angereisten Schülerinnen und Schülern sowie ihren sieben Begleitlehrerinnen und –lehrern und ihren neuen Freundinnen und Freunden aus Rheinberg wurde die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet.

In ihrer Rede sprach Karin Muckes, damals Französischlehrerin am Amplonius-Gymnasium, von der Schulpartnerschaft als einem Baum, der gerade gepflanzt wurde und dessen Wachstum engagierte Gärtner und ständige gute Pflege benötigt.

Der Baum Schulpartnerschaft Montreuil-Rheinberg ist seit der Pflanzung erfolgreich gewachsen; er hat auch Stürme und schlechte Witterung überstanden und steht heute gut und fest da. Jedes Jahr wird geerntet, sprich: es finden intensive Begegnungen zwischen den Schülerinnen und Schülern statt und auch auf der privaten Ebene haben sich langjährige und nachhaltige Kontakte, ja Freundschaften entwickelt.

Bereits im Herbst 1982 fuhren die ersten 50 Rheinbergerinnen und Rheinberger zum ersten offiziellen Schüleraustausch nach Montreuil s/Mer. Im Februar 1983 fand der französische Gegenbesuch in Rheinberg statt, und hier erlebten die Montreuiller etwas, was sie so nicht kannten: den Rheinberger Karneval mit allem drum und dran!

Hier wie dort wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Schüleraustausch seit 1982 stets ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zum Kennenlernen des Partnerlandes geboten. Wir erinnern uns an Touren an die Kanalküste in Nordfrankreich (Cap Blanc Nez), an Fahrten in die französische Hauptstadt, nach Amiens, nach Rouen, an die Somme-Mündung bei Saint-Valery-sur-Somme, an Besichtigungen von Fischfabriken, Radiosendern und Zuckerrübenfabriken, an gemeinsame Fahrten nach Köln, Wuppertal oder Aachen, Besuche bei Opel in Bochum, beim Landtag in Düsseldorf oder einer Brauerei in Krefeld … aber auch selbstverständlich an gemeinsame Unterrichtstage, an Sportveranstaltungen und – als jeweiligen Höhepunkt des Austausches – an die soirée franco-allemande, die deutsch-französische Fête, der am nächsten Morgen der tränenreiche Abschied von den Freundinnen und Freunden folgte.

Schon lange hat die Gründungsgeneration der Lehrerinnen und Lehrer Platz gemacht für eine junge Lehrerriege, die die Idee der Schulpartnerschaft engagiert und zielstrebig weiterführt. Gerade in Zeiten wie diesen wird deutlich, wie wichtig die Freundschaft und Verbundenheit zwischen den Völkern ist! Schulpartnerschaften wie die zwischen Rheinberg und Montreuil leisten dabei einen nicht zu unterschätzenden Beitrag.

Danke an alle Beteiligten und weiter so! – Merci à tous les participants et bonne continuation.

. Amplonianer in Montreuil s/Mer im Herbst 1982.

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P.S.: Auf dieser Homepage befinden sich mehrere Dateien mit Photos zur Schulpartnerschaft: Gehen Sie zur Seite „Die Schule“; hier finden Sie PDF-Dateien zu Montreuil s/Mer.

April 2022

1929 wird durch die Pallottiner-Kongregation aus Limburg das Konvikt St. Josef erbaut. Dadurch entsteht in Rheinberg ein für damalige Verhältnisse modernes Schülerheim und die Rektoratschule unter Dr. Aloys Wittrup und das Konvikt St. Josef, geleitet von Pater Otto Eisenbarth, arbeiten von nun ab eng zusammen.

In den Jahren 1930/31 entsteht durch die Unterbringungsmöglichkeiten im Internat ein interessantes Schulangebot für die ländliche Jugend aus der näheren und weiteren Umgebung Rheinbergs. Die Heimschüler des Pallottiner Konvikts besuchen die städtische Rektoratschule.

Die Schülerzahl steigt auf 118 (38 Rheinberger, 80 Auswärtige). In der Folge wird das Gebäude in der Goldstraße zu klein; es erfolgt ein Umzug ins Konvikt St. Josef an der Lützenhofstraße.

März 2022

Erläuterungen zum Kalenderblatt für März 2022:

1904 hat die neue Schule 16 Schüler. Das Schulgeld beträgt 180 Mark im Jahr.

1905 errichtet die katholische Pfarrgemeinde an der Goldstraße ein neues Gebäude für die Rektoratschule. Die Schule hat bereits 43 Schüler in drei Klassen. Das Schulsiegel zeigt den Rheinberger Gelehrten Amplonius de Berka (ca. 1365-1435).

Zum 1. Januar 1912 wird die Stadt Rheinberg Trägerin der Rektoratschule. Gleichzeitig wird die Schule durch Verfügung des Provinzialschulkollegiums dem staatlichen Gymnasium Adolfinum in Moers unterstellt, d.h. der jeweilige Schulleiter der „Schola Meursensis“ ist staatlicher Kommissar für die Rheinberger Rektoratschule und vertritt bei Abschlußprüfungen das Provinzialschulkollegium.

Februar 2022

1903 kommt es auf Drängen der Rheinberger Bürger zur Neugründung der „Schola Berkensis“ als private Rektoratschule mit humanistischer Lehrverfassung in der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Peter. Man hatte erkannt, daß der gesellschaftliche Wandel (Technisierung, Industrialisierung) nach vertiefter Bildung verlangte.

Erster Schulleiter wird der 26-jährige Kaplan Aloys Wittrup aus Everswinkel in Westfalen. Mit acht Schülern beginnt am 1. Oktober der Unterricht im Hause van Elsbergen an der Kamper Straße.

Januar 2022

Das Photo für den Januar 2022 zeigt die alte Rheinberger Lateinschule kurz vor dem Abriß 1919. Rechts ist ein kleiner Teil des mittlerweile restaurierten Hauses „Weißer Rabe“ zu sehen.

Die Rheinberger Lateinschule, Keimzelle des heutigen Amplonius-Gymnasiums, zählt zu den ältesten Schulen im deutschen Sprachraum. Im Gegensatz zu den Stiftsschulen (z.B. in Xanten) handelt es sich bei der Lateinschule in Rheinberg um eine Lehranstalt in städtischer Trägerschaft (Ratsschule), wie verschiedene Stadtrechnungen und das Gelöbnis von Rheinbergs Bürgermeister und Magistrat am 20. April 1433 belegen. Die erste Erwähnung einer Lateinschule in Berka stammt aus dem Jahr 1337. Der erste uns bekannte Schulleiter in einer langen Reihe ist ein Priester namens Wiricus.

Wie eine Urkunde des Rheinberger Pfarrarchivs belegt, liegt das Schulgebäude in der Nähe der Kirche. Eine städtische Urkunde vom 23. Juni 1388 bezeichnet den Ort, an dem sich die Lateinschule befindet: „an der Steege“, die am Haus der Jungfer Sophia von Husen vorbeiführt.

1889 schließt die „Schola Berkensis“ nach ungefähr 600-jährigem Bestehen ihre Pforten. Von nun an werden begabte Rheinberger Schüler durch Geistliche der Kirchengemeinde St. Peter privat unterrichtet.

Dezember 2021

Parabole Salomonis, ecclesiastes, liber sapiencie et cantica canticorum, glosate.

Das Kalenderblatt für Dezember 2021 zeigt den Anfang von Vers 5 des 1. Kapitels der Sprüche Salomos in einer Handschrift aus dem frühen 13. Jahrhundert, Herkunftsland wahrscheinlich Italien (CA 2° 52). Die Initiale „A“ (in der Miniatur Kriechtiere und Blütenblätter) markiert den Beginn des (kommentierten) Bibeltextes „Audiens sapientis sapientior erit, et intellegens gubernacula possidebit“.

„lsti sunt libri quos ego Amplonius habeo in sacra theologia”

Die theologische Abteilung des Bücherkatalogs, den Amplonius eigenhändig um 1410 für seine 633 Codices angelegt hat, zeichnet sich durch eine große Breite an theologischem Wissen unterschiedlicher Provenienz aus. Grundlage des Theologie-Studiums war natürlich die lateinische Bibel, von der Amplonius in seiner Bibliothek mehrere besaß. Sein Bücherkatalog beginnt das Kapitel „De theologia“ mit drei Bibelausgaben:

– „1. Primo siquidem biblia, infrascriptos libros in se continens: …“ [es folgt eine detaillierte Aufzählung aller Teile der Bibel].

– „2. Item biblia media, prescise eosdem libros et prologos continens quos prima maior …”.

– „3. Item biblia minor, eciam eadem continens que media immediate precedens preter excerptum epistole Iheronimi de alphabeti Hebraici interpretacione.”

Diese drei Exemplare der Bibel sind heute nicht mehr vorhanden.

Nach dem Willen des Amplonius sollte während der Mahlzeiten im Collegium Amplonianum aus der Bibel vorgelesen werden und die Theologie-Studenten seines Kollegs sollten die Bibel als erstes lesen und lernen: „Item statuo et ordino quod applicatus theologie primo bibliam cum suis prologis studeat …“

Weiterhin empfahl Amplonius den Theologie-Studenten seines Kollegs die Schriften der Kirchenväter wie z.B. Augustinus, Chrysostomus oder Hieronymus, die natürlich in der Amploniana genauso vorhanden waren wie u.a. die Schriften von Nikolaus von Lira, Wilhelm Brito, Durandus de Alvernia, Bonaventura (da Bagnoregio), Beda etc. etc.

Die angehenden Theologen legt Amplonius aber nicht auf eine bestimmte Lehrmeinung fest, vielmehr stehen die unterschiedlichen theologischen Schriften seiner Bibliothek und die Statuten für das Collegium Amplonii für ein offenes, philosophisch-theologisches Denken, das theologische Probleme ernsthaft und sachlich erörtert, ohne sich an bestimmte Lehrsätze und –autoritäten festzumachen und von vornherein zu binden. Diese Einstellung des Amplonius findet sich auch in den modernen Lehrauffassungen der neugegründeten Erfurter Universität wieder.

Neben der Bibel besitzt Amplonius zahlreiche Handschriften, in denen Bibeltexte und Kommentare dazu kunstvoll miteinander in Beziehung stehen, so wie die hier abgebildete Seite der Sprüche Salomos (Kap. 1 Vers 5) in der Übersetzung aus dem Hebräischen von Sophronius Eusebius Hieronymus (geb. 347, gest. 420).

Das Blatt ist in drei Spalten eingeteilt. In der mittleren Spalte steht der Bibeltext, versehen mit einer kunstvollen, farbigen Initiale, mehrmals nach links über die mittlere Spalte hinausgehend und in großer Schrift mit breitem Zeilenabstand; die beiden anderen Spalten sind für den Kommentar vorgesehen, der in kleinerer Schrift und fortlaufend mit engerem Zeilenabstand niedergeschrieben ist.

Amplonius-Kalender 2022

Liebe Freundinnen und Freunde von Amplonius-Novus, liebe Amplonianerinnen und Amplonianer,

wie im letzten Jahr, so macht es auch jetzt Corona wieder unmöglich, den Kalender der Stiftung Amplonius Novus direkt auf dem Advents-Fest des Gymnasiums zu verkaufen, da die beliebte Veranstaltung leider pandemiebedingt ausfällt. Eine andere Möglichkeit, unseren Kalender in größeren Mengen „an den Mann oder die Frau zu bringen“, existiert leider nicht.

Das Robert Koch-Institut (RKI) rät aktuell „dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren“.

Schon der Mediziner Amplonius de Berka hatte sich zu der großen Epidemie seiner Epoche, der Pest, ähnlich geäußert und dringend empfohlen, „das dw nit geest zw vill lewtten“. Man möge möglichst keine fremden Wohnstuben und Häuser besuchen, da hier ein großes Potential für gegenseitige Ansteckung vorhanden sei („wan ains das ander vergifft“). Wie sich die Dinge doch gleichen …!

Wie im Vorjahr sind wir daher das Risiko nicht eingegangen, einen Amplonius-Kalender für 2022 drucken zu lassen, sondern bieten unseren Kalender als PDF-Datei auf unserer Homepage gratis zum Herunterladen (und eigenen Ausdruck) an.

Der Kalender der Stiftung Amplonius Novus für 2022 trägt den Titel „Schola Berkensis“ und präsentiert 12 Photos aus der Geschichte des Rheinberger Gymnasiums bis in die 1970er Jahre. Eine weitere PDF-Datei mit Erläuterungen zu den Kalenderblättern steht ebenfalls zum Download bereit.

Beide Dateien befinden sich hier:

Amplonius-Kalender-2022-Schola-Berkensis-klein.pdf

Amplonius-Kalender-2022-Schola-Berkensis-Erlaeuterungen.pdf

Sowohl der Kalender als auch die dazugehörigen Erläuterungen können kostenlos von der Stiftungshomepage heruntergeladen werden. Wir wären jedoch sehr dankbar, wenn Nutzer die Arbeit der Stiftung mit einer Spende unterstützen würden. Unsere Bankverbindung bei der Sparkasse am Niederrhein lautet: IBAN DE40 3545 0000 1101 0368 44.