Der Stifter

Die nachfolgende PDF-Datei versucht, einen Überblick über das Leben des Amplonius zu geben. Im Anschluss daran finden Sie einen Artikel von Oberstudienrat Jansen über den Rheinberger Gelehrten, den er 1998 für eine Festschrift des Amplonius-Gymnasiums geschrieben hat. – Sehen Sie bitte selbst:

Amplonius Rating de Berka 1365-1435

Amplonius Rating de Berka [Rathaus Rhbg]

Hein Hoppmann: Bildnis des Amplonius Rating de Berka (im alten Rathaus zu Rheinberg)

Oberstudienrat i. R. Hans Josef Jansen, Über Amplonius Ratingk de Berka, den Namensgeber unserer Schule *)

„Amplonius Ratingk de Berka war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, Bücherliebhaber und besessener Büchersammler, berühmter Arzt und vor allem Förderer der studierenden Jugend Rheinbergs.
Wer war nun dieser Amplonius genau? Zwar können wir sein Leben nicht in allen Stationen zurückverfolgen, aber es gibt zeitgenössische Notizen in seiner Bibliothek in Erfurt, darunter einige Autographe, die uns einen gewissen Aufschluss geben. Doch schon die Schreibung seines Namens ist unsicher: Amplonius Ratingk de Berka, Amplonius Rating de Bercka, wie er erst zuletzt sich selber schrieb. Das verbürgt mit Sicherheit, dass er aus unserem alten Rheinberg stammte. Zwar ist sein genaues Geburtsdatum unbekannt, man kann jedoch aufgrund anderer Quellen schließen, dass es in den Jahren zwischen 1365 und 1367 gewesen sein muss.
Sein Name verrät uns weiterhin, dass die Familie seines Vaters aus Ratingen bei Düsseldorf stammte. Von seiner Mutter wissen wir nichts. Immerhin lässt sich aus der Tatsache, dass sein Vater ihm und seinem Bruder Peter ein Universitätsstudium ermöglichen konnte, leicht erkennen, dass die Familie recht begütert gewesen sein musste.
Sein Studienweg führte den jungen Amplonius zunächst auf die Schule nach Soest, wo ihn der Lehrer Heinrich von Orsoy unterrichtete, 1384 finden wir ihn in Osnabrück. Von dort ging er an die älteste deutsche Universität nach Prag und war bereits 1388 Magister der freien Künste. Interessant ist die Tatsache, dass gleichzeitig mit ihm zwei weitere Rheinberger in Prag studierten.
Dem Prager Universitätsrecht zum Trotz – er hätte dem gemäß eigentlich an dieser Hohen Schule lehren müssen – reiste der junge Magister Amplonius zum Unterrichten nach Soest. Offensichtlich fühlte er sich seiner alten Schule verpflichtet. Für die folgenden beiden Jahre 1389 und 1390 gibt es keine Quellen zu seinem Leben, es finden sich Belege erst wieder ab 1391: Er wurde an der Kölner Universität immatrikuliert und begann ein Medizinstudium, dessen erste Examina er in sehr kurzer Zeit absolvierte.
Als 1392 die Universität Erfurt eröffnet wurde, ließ er sich als vierter Student einschreiben, hielt Vorlesungen in Philosophie, studierte gleichzeitig selbst weiterhin Medizin und wurde am 12. Oktober 1393 als erster in Erfurt zum „doctor in medicina“ promoviert. Offensichtlich genoss der damals etwa siebenundzwanzigjährige Magister bereits zu dieser Zeit wegen seiner Gelehrtheit und wegen seiner jetzt schon berühmten Bibliothek ein großes Ansehen, denn er wurde schon im Frühling 1394 zum Rektor der jungen Erfurter Universität berufen. Ein fürwahr ungewöhnlicher Werdegang. In Erfurt lebte und studierte er im Haus „Arche Noah“, das unmittelbar neben dem Universitätsgelände lag. Im Frühjahr 1395 verließ Amplonius Erfurt. Die zeitgenössischen Quellen berichten, dass er zeitweilig an der Universität Wien dozierte. Aber für die folgenden drei Jahre schweigen sie. Erst 1399 ist er wieder nachweisbar, und zwar in Köln. Hier wurde er zweimal zum Rektor magnificus der Universität gewählt, und hier lebte er auch für eine Reihe von Jahren mit Kunigunde von Haghen zusammen, die ihm zwei Söhne und zwei Töchter gebar. Die beiden Söhne sind unter den Namen Amplonius de Fago und Dionysius de Fago bekannt geworden. Woher die abweichenden Familiennamen stammen, ist nicht bekannt. Amplonius hat sich ebenfalls als Wissenschaftler einen guten Ruf erworben, während Dionysius dem Vater wegen seines Lebenswandels nicht unbedingt zur reinen Freude gereichte.
Hier in Köln erlangte Amplonius höchstes Ansehen. Er wurde 1401 zum Leibarzt des Erzbischofs und Kurfürsten Friedrich berufen, dem er mit seiner ärztlichen Kunst bis 1414 diente.
In diese Zeit fällt auch die Trennung von Katharina von Haghen, er wurde Kleriker und erhielt eine gut ausgestattete Pfründe als Kanonikus an der Apostelkirche in Köln. Katharina von Haghen und seine beiden Töchter Helena und Agnes lebten seither wohlversorgt als Nonnen im vornehmen Clarissenkloster zu Mainz.
Eine größere Reise des Amplonius ist in einem Kalender mit eigenhändigen Eintragungen belegt: Er fuhr im Gefolge des Erzbischofs Friedrich nach Rom, war unter anderem in Meran und kopierte dort einen kleinen Traktat über Astrologie. Man sieht, seine Interessen waren breit gefächert. Hinzu kam allerdings auch, dass die Astrologie in seiner Zeit als eine medizinische Hilfswissenschaft betrachtet wurde. Seit 1412 war er nach eigener Aussage Kleriker an der Kölner Apostelkirche, in deren Nähe er auch wohnte. Nur einmal noch verließ er Köln: als er von 1417 bis 1422 Dechant des Viktorstiftes in Mainz war. Sein theologischer Ruf muss also ebenfalls ausgezeichnet gewesen sein, wenn man ihn zum Vorsteher eines berühmten Klosters berief. Danach lebte er ausschließlich in Köln.
Zwei Jahre vor seinem Tod, 1433, fasste Amplonius sein Testament ab, das für Rheinbergs studierende Jugend von großer Bedeutung werden sollte.
Im Umgang der Kölner Apostelkirche wurde Amplonius Ratingk de Berka 1435 zur letzten Ruhe gebettet.
Im Verlaufe seines langen Lebens war Amplonius durch seine ärztliche Tätigkeit, aber auch durch seine Pfründe reich geworden und richtete zur Ehre Gottes, aber möglicherweise auch, weil er etwas für sein eigenes Seelenheil tun wollte, eine wohltätige Stiftung ein. Er war ja ein Kind seiner Zeit, man denke daran, dass er bis zu etwa seiner Lebensmitte durchaus dieser Welt verhaftet war und erst danach Kleriker wurde. Von Plänen zu dieser Stiftung ist bereits in einer Erfurter Ratsurkunde aus dem Jahre 1412 die Rede.“

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*) aus: Schulleitung des Amplonius-Gymnasiums Rheinberg (Hrsg.), 95 Jahre Amplonius-Gymnasium (1903-1998) und Eröffnung des naturwissenschaftlichen Neubaus (22. Juni 1998), Rheinberg 1998, S. 20 – 27