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April 2024

Das heutige Amplonius-Gymnasium ist aus der ehrwürdigen Lateinschule Rheinbergs entstanden und hat bis zur heutigen Struktur verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen. Die April-Seite des Kalenders 2024 zeigt vier davon:

Bis 1911 weist der Rheinberger Markt eine geschlossene Bebauung zur St. Peter-Kirche hin auf. Die alte Lateinschule (Photo oben links) liegt rechts vom Durchgang zwischen Markt und Kirche und grenzt fast unmittelbar an das Bürgerhaus „Zum Weißen Raben“ (Aumund). Das Gebäude wird 1919 abgerissen. Da hat die „schola berkensis“ bereits seit einigen Jahren ihre Tore geschlossen. 1889, nach ungefähr 600-jährigem Bestehen, wird der Unterricht an der Lateinschule eingestellt; von nun an werden begabte Rheinberger Schüler durch Geistliche der Kirchengemeinde St. Peter privat unterrichtet. Bis es 1903 auf Drängen der Rheinberger Bürger zur Neugründung der Schule als private Rektoratschule mit humanistischer Lehrverfassung in der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Peter kommt. Erster Schulleiter wird der gerade zum Priester geweihte, 26-jährige Kaplan Aloys Wittrup aus Everswinkel in Westfalen. Mit acht Schülern beginnt am 1. Oktober der Unterricht im Hause van Elsbergen an der Kamper Straße (Photo oben rechts).

Bis die Rektoratschule ihr endgültiges Gebäude an der Dr. Aloys-Wittrup-Straße beziehen kann, ist sie an verschiedenen Standorten untergebracht: 1905 erfolgt der Umzug von der Kamper Straße in ein von der katholischen Pfarrgemeinde an der Goldstraße errichtetes Gebäude. Die Schule hat da bereits 43 Schüler in drei Klassen. Zum 1. Januar 1912 wird die Rektoratschule auf den städtischen Etat unter Wahrung ihres katholischen Charakters übernommen.

1929 kommt es bei den Schülerzahlen der Rektoratschule zu einem Einbruch. Durch die Einrichtung von Mittelschulen in Orsoy und Kamp-Lintfort geht die Zahl der auswärtigen Schüler dramatisch zurück. Die Verschmelzung der Rektoratschule Alpen mit der in Rheinberg ermöglicht wieder einen geregelten Unterricht (auch in wirtschaftlicher Hinsicht). Doch erst durch die Erbauung des Konvikts St. Josef durch die Pallottiner-Kongregation aus Limburg wird die Rheinberger Rektoratschule gerettet. In Rheinberg entsteht an der Lützenhofstraße ein für damalige Verhältnisse modernes Schülerheim und die Rektoratschule unter Dr. Aloys Wittrup und das Konvikt St. Josef, geleitet von Pater Otto Eisenbarth, arbeiten von nun ab eng zusammen. Es entwickelt sich ein für die ländliche Bevölkerung interessantes Schulangebot und die Unterbringungsmöglichkeiten im Internat erlauben nunmehr auch der ländlichen Jugend aus der näheren und weiteren Umgebung Rheinbergs den Zugang zur Weiterbildung: die Heimschüler des Pallottiner Konvikts besuchen die städtische Rektoratschule. Die Schülerzahl steigt auf 118 (38 Rheinberger, 80 Auswärtige). In der Folge wird das Gebäude in der Goldstraße zu klein; es erfolgt ein Umzug der Rektoratschule ins Konvikt St. Josef an der Lützenhofstraße.

März 2024

Initiale C aus der Matrikel der Universität Erfurt. Im Hintergrund ist die Festung Rheinberg abgebildet. – Für Berka, seine Heimatstadt, sorgt Amplonius 1433 in besonderem Maße. In einer „Sonderstiftung Lateinschule Rheinberg“ schenkt er der Stadt Rheinberg 300 Goldgulden mit der Maßgabe, die Lateinschule davon zu unterhalten und einen Rektor zu besolden, der den möglichen Kandidaten der Stiftung das erforderliche Rüstzeug für das Studium in Erfurt vermitteln soll. D.h. mit heutigen Begriffen gesprochen: die Schüler der Lateinschule sollen durch den qualifizierten und zielführenden Unterricht an ihrer Bildungsanstalt die Hochschulreife erlangen und fit gemacht werden für den Einstieg in die akademische Welt. Bürgermeister, Rat und Stadt schwören am 20. April 1433 feierlich, dem „Ersame Her Amplonius Ratinck van Berke in den vryen kunsten Meister ind der kunsten van arztedyen Doctoir onse medeburger“, sich „allewege tot ewigen tyden eynen schoelmeyster halden onse kinder to leeren in kunsten ind seden, willich schoelmeister sal syn eyn meister in den vryen kunsten, ein waill geleert meister und erber van leven van der hogen scholen van Erfforde ind van den Collegio vorschreven.“

Februar 2024

Aus dem Bücherschatz des Amplonius: „Viaticum peregrinantis, Lanfrancus Mediolanensis, Chirurgia maior und Chirurgia minor etc.“ (UB Erfurt, Dep. Erf., CA 4° 174). Initiale S und Lesepult nebst Stuhl mit der Umschrift „Amplonius de Berka“. – Um 1365 wird Amplonius in Rheinberg geboren. Die Familie lebt im „Haus zu den drei Fischen“ in der heutigen Underbergstraße, damals Marktstraße. Der Doktor der Medizin, Rektor der Universitäten Erfurt (1394/95) und Köln (1399), Leibarzt mehrerer Erzbischöfe, Chorbischof von St. Aposteln zu Köln und gelehrter Büchersammler wird für seine Vaterstadt wichtig durch seine großzügige Stiftung, die er am 1. Mai 1412 beurkundet: jeweils 9 Schüler der Rheinberger Lateinschule können durch die Stiftung des Amplonius in der „Himmelspforte“ in Erfurt unentgeltlich wohnen, an der Universität kostenlos studieren und – besonders wichtig! – die umfangreiche Bibliothek des Stifters nutzen.

Januar 2024

Die abgebildete Initiale entstammt dem „Liber Problematum Aristotelis secundum speciem compilacionis“ (um 1290 geschriebenes Manuskript in der „Bibliotheca Amploniana“ – UB Erfurt, Dep. Erf. CA. 2° 263). Die hier abgebildet Initiale D zeigt einen Lehrer mit seinen Schülern. – Schüler und Lehrer gibt es in Rheinberg schon im Jahr 1337. In diesem Jahr wird Rheinbergs Lateinschule erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde zum Ankauf eines Hauses für die Abtei Kamp wird der „rector scholarium“ als Zeuge erwähnt: Wiricus ist der erste in einer langen Reihe von Schulleitern. In einer Urkunde aus dem Jahr 1388 erfahren wir, wo sich die Lateinschule befindet: „an der Steege“, die am Haus der Jungfer Sophia von Husen vorbeiführt.

Die Rheinberger Lateinschule, Keimzelle des heutigen Amplonius-Gymnasiums, zählt zu den ältesten Schulen im deutschen Sprachraum. Im Gegensatz zu den Stiftsschulen (z.B. in Xanten) handelt es sich bei der Lateinschule in Rheinberg um eine Lehranstalt in städtischer Trägerschaft (Ratsschule), wie verschiedene Stadtrechnungen und das Gelöbnis von Rheinbergs Bürgermeister und Magistrat vom 20. April 1433 belegen. Die Schule steht unter strenger Aufsicht durch den Magistrat. Einmal im Jahr führen Bürgermeister, Ratsherren und ein kirchlicher Vertreter eine Inspektion der Schule und eine Revision des Unterrichts durch. Für den/die Lehrer kann diese Besichtigung ernsthafte Konsequenzen bis zur Entlassung nach sich ziehen, sollten die Leistungen nicht den Anforderungen entsprechen.

Dezember 2012

Blatt aus einer Sammelhandschrift zur Astronomie, 1. Hälfte des 14. Jh., Italien (?), UB Erfurt, Dep. Erf. CA. 8° 84 Die Blätter 85 – 94‘ erhalten bei Schum den Titel „Alia collectio vaticiniorum“. Hier abgebildet ist „ein colorirter Engel in nicht gerade geschickter Ausführung“ (Schum).

Amplonius-Kalender 2024

Seit Beginn der Stiftung Amplonius NOVUS hat es jedes Jahr einen Kalender gegeben, der sich entweder mit der langen Geschichte des Amplonius-Gymnasiums beschäftigte oder Kunstwerke aus Schülerhand präsentierte. Einen ganz besonderen Schwerpunkt bildeten daneben immer wieder Kalender, die
bemerkenswerte Details aus den handgeschriebenen Büchern der „Bibliotheca Amploniana“ vorstellten.
Während der Corona-Pandemie gab es keine gedruckten Exemplare, vielmehr konnten die Kalender auf der Homepage der Stiftung (www.amplonius-novus.de) online angesehen und kostenlos heruntergeladen werden.
Für das Jahr 2024 wird es erstmals wieder einen gedruckten Amplonius-Kalender geben. Thematischer Schwerpunkt ist wieder einmal das Amplonius-Gymnasium mit seiner interessanten Geschichte – die Lateinschule als Vorläuferschule des heutigen Gymnasiums wurde erstmals 1337 urkundlich erwähnt – , seiner Beziehung zu Amplonius de Berka, dem großartigen Büchersammler und Stifter sowie den zahlreichen Facetten des Schullebens.


So beginnt der Kalender mit einer Schmuck-Initiale aus der amplonianischen Büchersammlung (heute wie vor Jahrhunderten in Erfurt angesiedelt), die einen Lehrer mit seinen Schülern zeigt. Einen direkten Hinweis auf Amplonius gibt das Februar-Blatt mit der historischen Skizze eines mittelalterlichen Lesepultes nebst Stuhl und der Umschrift „Amplonius de Berka“. Und die Festung Berka auf einer
historischen Matrikel der Universität Erfurt gibt eine Ahnung davon, wie Rheinberg früher einmal ausgesehen haben mag (Monatsblatt März 2024).
Näher an der Gegenwart sind Photos von verschiedenen Schulgebäuden angesiedelt: die ehemalige Lateinschule am Großen Markt (1919 abgerissen), die Rektoratschule in der Goldstraße, das heutige Gebäude an der Dr. Aloys-WittrupStraße, das über die Jahrzehnte ständig erweitert und ergänzt wurde
(Monatsblatt für April 2024).
Dann sind da noch einige Bilder, die vom lebendigen Schulleben Zeugnis ablegen: Tag der Offenen Tür, Kulturveranstaltungen wie z.B. eine Musical-Aufführung, Schüleraustausch (mit Suchbild) und Abiturientenspaß … Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden!
Den Kalender (mit ausführlichen Erläuterungen zu den Abbildungen als Beilage) gibt es für nur 7 Euro. Mit dem Reinerlös aus dem Kalenderverkauf wird die Arbeit der Stiftung Amplonius NOVUS unterstützt.
Der Amplonius-Kalender wird – natürlich! – im Amplonius-Gymnasium verkauft: am Elternsprechtag (17. November) und beim „Advent am Amplonius“ (1. Dezember) wird der Stiftungsvorstand in der Schule anwesend sein, um sein Produkt an die Frau und an den Mann zu bringen. Ansonsten kann der Kalender
im Schulsekretariat erworben werden und selbstverständlich sind auch online-Bestellungen willkommen – der Kalender wird dann per Briefpost zugestellt (die Mail-Adresse für Bestellungen lautet: amplonius-novus@t-online.de).

November 2023

UB Erfurt, Dep. Erf., UB Erfurt, Dep. Erf. CA. 2° 14; 1. Hälfte d. 14. Jh., Entstehungsorte nach Schum „zum größeren Theil aus England, zum kleineren aus dem Süden“. – Der erste Texte der Sammelhandschrift ist ein Kommentar zu Ovids „Metamorphosen“; Schum notiert: „Ovidii metamorphoseon commentarius“. Der Text beginnt mit den Worten: „Ovidius in lib. metham. primo intencionem suam“.

Oktober 2023

Die abgebildete Seite für den Monat Oktober 2023 entstammt einem Sammelband mit Texten von und über Aristoteles, entstanden in der 2. Hälfle des 13. Jh. in Frankreich (UB Erfurt, Dep. Erf., UB Erfurt, Dep. Erf. CA. 2° 39)

Der erste Teil des Sammelbandes ist ein Werk des antiken Philosophen Porphyrios (* um 233 in Tyros; † zwischen 301 und 305 in Rom). Porphyrios setzt sich mit den Schriften des Aristoteles auseinander; die vorliegende Seite entstammt der „Isagoge“ (Schum: „ysagogas“) und beginnt mit den Worten: „Cum sit necessarium Grisarori (!) …“

Porphyrios verfaßt seine „Isagoge“ im 3. Jahrhundert; es handelt sich um eine Einführung in die Kategorien-Schrift des Aristoteles. Diese Einführung in die aristotelische Logik wird in der Spätantike und im Mittelalter als Standardwerk der Logik außerordentlich einflußreich.

Amplonius NOVUS fördert 4 Stipendiaten

Am 22. September 1423 – also vor genau 600 Jahren!!! – schrieb Amplonius de Berka einen offenen Brief in deutscher Sprache an den Rat der Stadt Erfurt, um einen langwährenden Streit mit der Stadt gütlich zu beenden und das von ihm gestiftete Collegium „Zur Himmelspforte“ („eyn Collegium zou Erffurte genand zeu der hemelphorten“) zu bestätigen. Mit seinem in Köln ausgestellten 2. Stiftungsbrief erhöht Amplonius das Stiftungskapital seines Collegiums, um schließlich 17 Präbenden/Stipendien (13 Magistri und 4 unpromovierte Studenten) fördern zu können. Gleichzeitig betont er noch einmal die Schenkung seiner riesigen Bibliothek („alle myne buchere“) an die „Himmelspforte“.

1433, zwei Jahre vor seinem Tod, bekräftigt Amplonius noch einmal seine Stiftung und legt deren Statuten verbindlich nieder. Die Zahl der Collegiaten wird nunmehr auf 15 festgesetzt; die Besetzung von neun Stipendiatenstellen wird dem Rat seiner Geburtsstadt Rheinberg übertragen.

Mit 15 bzw. neun Stipendien kann die Nachfolgestiftung Amplonius NOVUS leider nicht aufwarten – wohl aber seit diesem Mittwoch mit vier (bisher zwei) Stipendiaten, die alle das Gymnasium, das den Namen des großen Sohnes der Stadt Rheinberg trägt, mit hervorragenden Noten absolviert haben.

Nachdem im Abiturjahrgang 2023 sechs Abiturienten für ihre Leistungen mit einem Büchergeld in Höhe von 100 Euro zum Einstieg in ein Hochschulstudium ausgezeichnet wurden, hat der Stiftungsvorstand um den ehemaligen Schulleiter Heinz Pannenbecker vier Anträge von studierenden Amplonianern auf ein Stipendium geprüft und einstimmig befürwortet. Damit erhalten eine Studentin der Zahnmedizin, eine Studentin des Lehramtes, ein Student der Psychologie und eine Medizinstudentin für ein Jahr ein Lebenshaltungsstipendium von monatlich 100 Euro. Das mag nicht viel erscheinen, hilft aber doch dabei, sich stärker auf das jeweilige Studium zu konzentrieren und nicht zu viel Zeit mit Nebenjobs zu vergeuden.

Bis zum Jahresende 2023 wird die Studienstiftung Amplonius Novus insgesamt 22.500 Euro für Stipendien investiert haben, – eine Summe, über die Amplonius de Berka sich sicherlich gefreut haben dürfte, denn ihm war schon früh klar, dass Bildung ohne handfeste und materielle Unterstützung nicht zu haben ist. Er würde aber sicherlich „seine“ Rheinberger auch dazu aufrufen, die Arbeit von Amplonius Novus zu unterstützen (IBAN DE40 3545 0000 1101 0368 44 bei der Sparkasse am Niederrhein), denn hier wird sein Stiftungsgedanke weitergeführt (seine eigene Stiftung wurde 1947 zwangsaufgelöst).