Juli 2021

CA 2° 31 (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts): Libri duo Aristotelis de proprietatibus elementorum secundum translacionem communem. Die Initiale „P“ zeigt einen Gelehrten, vielleicht Aristoteles, mit seinen Schülern. In seinen Händen hält der Mann eine Darstellung der Welt – als Scheibe. Der Text beginnt: „Postquam premissus est sermo a nobis in celo et mundo et determinavimus illud …“

Aristoteles (384-322 v. Chr.) ist sicherlich neben seinem Lehrer Platon der bedeutendste antike Philosoph. Seine Schriften über die Logik, die Naturphilosophie, die Metaphysik und die praktische Philosophie wurden seit dem 12. Jhdt. aus dem Arabischen in das Lateinische übersetzt und dem Abendland wieder zugänglich gemacht. Dadurch wurde das geistige Leben Europas ab dem 13. Jhdt. bereichert, auch wenn die Aufnahme der aristotelischen Schriften, die sich im Widerspruch zu den Lehren der katholischen Kirche befanden, nicht ohne Probleme erfolgte. Auch in der Amploniana lassen sich Verurteilungen einzelner Aussagen des Aristoteles im Bereich der Naturphilosophie feststellen.

Trotzdem gilt Aristoteles im europäischen Mittelalter als der Philosoph überhaupt, als die Autorität des spätmittelalterlichen Geisteslebens.

Die Schrift „De proprietatibus elementorum“ entstand wahrscheinlich im neunten oder zehnten Jahrhundert. Der Autor des Werkes behauptet, Aristoteles zu sein, aber schließlich wurde festgestellt, daß es sich um das Werk eines arabischen Autors handelt, weshalb die Arbeit folgerichtig einem „Pseudo-Aristoteles“ zugeschrieben wird.

Bis zum 13. Jahrhundert ist „De proprietatibus elementorum“ zusammen mit Aristoteles „Meteorologie“ und Avicennas „De mineralibus“ eine der drei Hauptquellen für mittelalterliches Wissen über Geologie.

Als während der Renaissance erkannt wird, daß „De proprietatibus elementorum“ nicht von Aristoteles selbst geschrieben wurde, wird die Schrift aus dem akademischen Curriculum gestrichen.

Zum Einstieg ins Studium: Büchergeld

Dass Schule in den Zeiten von Corona nicht einfach war und ist, wissen mittlerweile alle Menschen im Land. Dass Abiturientinnen und Abiturienten in den Zeiten von Corona trotz aller Widrigkeiten hervorragende Leistungen erbringen, verdient unser aller Respekt.

Die Studienstiftung Amplonius NOVUS beglückwünscht alle Abiturientinnen und Abiturienten des Amplonius-Gymnasiums zum bestandenen Abitur und wünscht für die Zukunft alles erdenklich Gute.

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass bei einem großen Teil der Absolventinnen und Absolventen des Amplonius-Gymnasiums, genau bei 34 Schülern, bei der Durchschnittsnote eine Eins vor dem Komma steht.

Ist dies gerade in den momentan schwierigen Zeiten schon eine tolle Leistung, so stellt die Abschlussnote Eins-Komma-Null sozusagen das Sahnehäubchen dar. Und diese Super-Leistung gelingt vier Prüflingen, einer Abiturientin und drei Abiturienten. Diese vier besonders erfolgreichen Amplonianern würdigt die Studienstiftung Amplonius NOVUS durch ein Büchergeld von je 100 Euro, das zur Anschaffung von Fachliteratur beim Start ins Studium dient.

Dazu schreibt es ehemaliger Amplonianer: „Vielen Dank für die Glückwünsche zum Abitur und für die Möglichkeit dieses Büchergeld in Anspruch nehmen zu können. Es wird zum Studienbeginn eine gute Unterstützung sein.“ Oder eine Amplonianerin: „Ich habe mich über die Anerkennung für meinen Abschluss durch die Stiftung Amplonius Novus sehr gefreut und möchte mich daher von ganzem Herzen bei Ihnen bedanken. Die acht Jahre, die ich am Amplonius-Gymnasium verbracht habe, waren für mich eine sehr schöne und für meinen weiteren Lebensweg prägende Zeit, an die ich mich immer gerne zurückerinnern werde.“

Seit dem ersten Büchergeld beim Abitur 2013 hat die Stiftung Amplonius NOVUS nun insgesamt 41 Amplonianerinnen und Amplonianer für ihre exzellenten Schulleistungen gewürdigt und insgesamt 3.400,- Euro zur Verfügung gestellt.

Amplonius NOVUS unterstützt Amplonianerinnen und Amplonianer nicht nur bei ihrem Eintritt in eine Hochschule durch ein Büchergeld zur Beschaffung von Literatur zum Studium, sondern auch im Verlauf ihres Studiums durch ein Stipendium. So werden augenblicklich drei Studierende durch eine monatliche Beihilfe unterstützt und gefördert. Es handelt sich um zwei Studentinnen und einen Studenten, die alle am Amplonius-Gymnasium ihr Abitur abgelegt haben. Ein vierter Stipendiat hat mittlerweile sein Studium erfolgreich abgeschlossen. Er schrieb uns zu der Unterstützung durch die Stiftung: „Ich möchte mich am Schluss noch einmal ausdrücklich bei der Studienstiftung Amplonius NOVUS für das mir gewährte Stipendium bedanken. Ohne dieses Stipendium hätte ich vermutlich einigen meiner wissenschaftlichen Interessen nicht in diesem Umfang nachgehen können und auch das Studium wäre deutlich aufwändiger gewesen, wenn ich mich parallel dazu noch um eine Finanzierung hätte kümmern müssen.“

Für ein Stipendium von Amplonius NOVUS kann man sich jetzt wieder erneut bewerben. Der Förderzeitraum beträgt ein Jahr (beginnend mit dem Monat Oktober) und kann bei Vorliegen der Voraussetzungen verlängert werden. Alle notwendigen Informationen dazu findet man hier auf unserer Homepage.

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Zur Abbildung: Aus der Bibliothek des Amplonius (CA 2° 31). Die Initiale P zeigt einen Gelehrten mit seinen Schülern.

Juni 2021

CA 4° 353: Schmuckvolle Initiale “S” aus einem Buch von Euklid in der Übersetzung aus dem Arabischen von Adelard von Bath (auch Adelardus Bathonensis, geb. um 1070, gest. um 1152): Euclidis geometriae librorum VIII translatio ab Adelhardo Bathoniensi confecta fine mutila. Handschrift aus dem sehr frühen 13. Jahrhundert, in der Bibliotheca Amploniana in der Abteilung „Mathematica“ geführt. „Superficies similes sunt quarum anguli unius angulis alterius equales lateraque equos angulos continencia proporcionalia. Superficies mutuorum laterum sunt inter quarum latera incontinua proporcionalitas retransitive habetur.”

Wie viele wissenschaftliche Werke, so wurden auch Euklids Schriften zunächst ins Arabische übersetzt. Unter anderem durch die Übersetzungen von Adelard von Bath, einem bedeutenden englischen Gelehrten und Übersetzer des 12. Jahrhunderts, wurde die arabische Wissenschaft und mit ihr die der Antike im 12. Jahrhundert im Europa des Mittelalters bekannt gemacht.

Die Bibliotheca Amploniana enthält eine überraschend große Menge an mathematischen Texten, angefangen bei der griechisch-römischen Antike über die Übersetzungen von arabischen Schriften bis zu zahlreich vorhandenen Schriften aus dem westlichen Europa des 13. und 14. Jahrhunderts.

Unter Mathematik versteht Amplonius die im Quadrivium vereinten Fächer Arithmetik, Geometrie, (theoretische) Musik und Astronomie. Im catalogus librorum schreibt Amplonius, was er noch unter dem Oberbegriff „mathematica“ zusammenfaßt: die Astrologie, die Geomantie (i.e. eine Form des Hellsehens), „magicas artes et nigromanticas“ und die Optik.

Was Euklid betrifft, so enthält die Amploniana in verschiedenen Codices Handschriften der beiden wichtigsten lateinischen Euklid-Bearbeitungen des Mittelalters.

1. Mai 1412: Beginn der Amplonianischen Stiftung

„In nomine Domini amen. Anna a Nativitate eiusdem millesimo quingentesimo duodecimo Indictione quinta Pontificatus sanctissimi in Christo patris et dni nostri dni Johannis diuina prouidentia pape Vigesimi tertii anno secundo prima die mensis maji hora vesperorum uel quasi, in mei notarii publici subscripti et testium infra scriptorum ad hoc vocatorum et rogatorum presentia constitutis uenerabilis magister er dominus Amplonius de Berka phisicus Chori episcopus ecclesie sanctorum apostolorum Coloniens. asseruit: …“ –

„Im Namen des Herrn Amen. Im Jahre 1412 nach Geburt des Herrn, während der 5. Indiktion, im 2. Jahre des Pontifikats unseres heiligsten Vaters und Herrn in Christus, des Herrn Johannes XXIII., durch göttliche Vorsehung Papst, am 1. Tag des Monats Mai, etwa zur Stunde der Vesper, hat der ehrwürdige Herr Magister Amplonius aus Rheinberg, Arzt und Chorleiter der Kirche der Hl. Apostel zu Köln, in Gegenwart von mir, des unterschreibenden öffentlichen Notars, und der unten genannten Zeugen, die dazu gerufen und hergebeten worden sind, folgendes versichert:

Wenn er sich auch aus Liebe zum allmächtigen Gott schon lange den Plan vorgenommen und erwogen hat, zum Lob und zur Ehre des gebenedeiten göttlichen Namens von den Gütern, die ihm durch Gottes Fügung geschenkt worden sind oder geschenkt werden, an einer der privilegierten Universitäten Deutschlands ein bestimmtes Haus zu errichten und zu gründen für eine bestimmte Anzahl von geeigneten Scholaren aus dem wirklichen Gebiet der vorgenannten Hl. Kirche von Köln, damit jene dort studieren und bis zum Magistergrad in den Freien Kürsten und zum Doktorat in einer der vier übrigen Fakultäten fortschreiten sollen, und den Scholaren zu seinen und seiner Nachkommen Gunsten eine Bücherei bzw. Bibliothek einzurichten, wie sie für die genannten Fakultäten notwendig ist, so hat er, wie er sagte, dennoch aus anderen deutschen Universitäten mit privilegiertem Studium die Erfurter Universität ausgewählt und sich aus verschiedenen richtigen und verständlichen Gründen veranlaßt gesehen, sein heiliges Vorhaben gerade dort zu beginnen und mit Gottes Hilfe zu dem rechten Abschluß zu bringen. Und weil, wie er versicherte, die klugen und umsichtigen Herren Ratmeister und Ratsherren im Namen der gesamten Gemeinde Erfurt zur Vollendung des löblichen Vorhabens ebendiesem Magister Amplonius in großzügiger Weise den Himmelspforte genannten Hof zum Geschenk gemacht haben und ihn mit dem gegenwärtigen und künftigen Zubehör von Gelände, Bauwerken, Ställen und freiem wie auch unfreiem Personal, das sich dort aufhält, durch Privilegien gestützt und dem Kolleg des vorgenannten Magisters Amplonius zugewiesen haben und, wie er sagte, für ewige Zeiten überschrieben haben, hat deshalb derselbe ehrwürdige Magister Amplonius nach der ihm bestmöglichen und ordentlichsten Verfahrensweise, in voller Gesundheit des Leibes und der Seele, aus sicherem Wissen, mit Überlegung, freiwillig und aus eigenem Antrieb in einem Schenkungsakt unter Lebenden, der unwiderruflich in dem Willen zu schenken vollzogen worden ist, dem in Erfurt bei dem Hl. Michael gelegenen Kolleg, das mit gewöhnlichem Namen Himmelspforte heißt und Kolleg des Magisters Amplonius, des Arztes, genannt wird, in einem sogenannten einfachen und unwiderruflichen Schenkungsakt unter Lebenden alle Bücher jedweder Fakultät, die der vorgenannte Magister Amplonius jetzt insgesamt oder getrennt wirklich hat und als Besitz heute besitzt oder auch besitzen wird oder in Zukunft bekommen und erlangen wird, übergeben, geschenkt und gegeben und schenkt, gibt und übergibt sie ihm, indem er in dem obigen Schenkungsakt die vorgenannten in seinem Besitz befindlichen oder noch gelangenden Bücher jedweder Fakultät aus der profanen und theologischen Literatur seinem bereits genannten Kolleg, das Himmelspforte genannt wird, zum ewigen Nutzen der Scholaren und sonstigen Personen, die in ihm studieren sollen, als ihren eigenen Besitz schenkt, ohne Vorbehalt, frei und einfach und ganz zum Lob, zum Ruhme und zur Ehre des allerhöchsten Gottes, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, und seiner allerheiligsten Mutter und aller heiligen Geister, damit bei ihnen das Studium, die Tugend, die Wissenschaft und das Recht wachse, und nicht zuletzt, damit sie sie zu ihrem größten Nutzen und Vorteil immer besitzen sollen. Er behält sich kein Recht auf Eigentum oder Klage irgendwelcher Art an diesen Büchern vor und verzichtet auf die genannten Bücher und jedes einzelne von ihnen durch Gelöbnis mit der Hand, das von feierlichen Worten begleitet wird, abgelegt in meine, des unterzeichnenden Notars, Hände, der ich von dem vorgenannten Magister Amplonius im Namen des genannten Kollegs, Himmelspforte mit Namen, eigens bestimmt worden bin. Er vermacht, schenkt und gibt den Scholaren und Personen des genannten Kollegs zum ewigen Nutzen ihres Studiums über seine besagten Bücher, die ihm jetzt und künftig gehören, gemeinsam wie getrennt, die volle, ganze und unbeschränkte Verfügungsberechtigung mit allem Recht auf Eigentum und Besitz, das eben dem genannten Magister Amplonius an ebenden bereits genannten Büchern zustand, zustehen wird oder irgendwie künftig zustehen kann. Dennoch behält ebenderselbe Magister Amplonius vor allem sich und auch einigen anderen im Hinblick auf das Vorstehende die unten genannten Einschränkungen vor. Erstens während der Lebenszeit des Magisters Amplonius die unwiderrufliche Nutznießung an den genannten Büchern, die ihm als Ganzes und als Teile gehören und gehören werden; weiter, daß gewisse Verwandte von ihm, die durch Gottes Fügung dort einmal Mitglieder des Kollegs sein werden, diejenigen Bücher großzügiger benutzen können, die dort doppelt vorhanden sind, allerdings ohne Nachteil für das genannte Kolleg. Ebenso will selbiger Magister weder sich noch die Vollstrecker seines Willens durch diese Schenkung besagtem Kolleg zu Weiterem verpflichtet wissen, wenn nämlich durch ein unerwartetes Ereignis, Mißgeschick oder Schicksal die genannten Bücher ganz oder teilweise veräußert, entzogen, vernichtet oder beschädigt werden, außer daß er, soweit es an ihm liegt, nach besten Kräften und mit Eifer sowie ohne ausgeklügelte List und Betrug die Bücher aus besagter Schenkung für sein Kolleg und zu dessen Nutzen treu bewahren will . Ebenso hatte derselbe Stifter Amplonius folgenden Wunsch: Wenn jemals der Apostolische Stuhl wegen der großen Zahl der privilegierten Universitäten oder aus irgendeinem anderen Grund die Privilegien und Freiheiten besagter Universität von Erfurt widerrufen, zunichtemachen oder für ungültig erklären sollte und keine Hoffnung bestünde, derartiges im Laufe der Zeit wiederzuerlangen, so sollen die Mitglieder des genannten Kollegs die besagten Bücher unbehindert zu derjenigen Universität überführen können, zu welcher sie sich dann begeben wollen, und zwar ohne Hinderung durch den Herrn Rektor und die Herren Magister, Doktoren, Ratmeister und Ratsherren der vorgenannten Universität und Gemeinde von Erfurt oder auch durch einen anderen, der im Besitz kirchlicher oder weltlicher Macht ist, vorausgesetzt, daß kein Einspruch von irgendwelcher Seite dem entgegensteht. Damit die genannte Schenkung der Bücher wirksam werde und nicht um ihr rechtes Ende gebracht wird, hat schließlich ebenderselbe Magister Amplonius im Namen seines besagten Kollegs die ehrwürdigen und weisen Herren Rektor, Magister und Doktoren der vorgenannten Universität von Erfurt und die Ratmeister und Ratsherren dortiger Gemeinde als seine Beauftragten und Schutzherren bzw. besonderen Verwalter erwählt, indem er ihnen gemeinsam und einzeln nach der ihm bestmöglichen und wirksamsten Verfahrensweise die uneingeschränkte und volle Berechtigung erteilt hat, besagte Bücher aus genannter Schenkung nach Ablauf seiner lebenslänglichen Nutznießung zu verlangen, zu fordern, wiederzuerlangen, zu übertragen und natürlich zum Nutzen des oft genannten Kollegs und zu keinem anderen Zweck vorzuführen und zu überführen. Danach verzichtete vorgenannter Magister Amplonius auf jedes Recht und Klagerecht, auf alle Einschränkungen, Rechtsansprüche und Vorwände, die ihm an jenen Büchern oder an einem davon im Hinblick auf ihre Einbehaltung, ihren Verkauf und ihre Veräußerung zustehen oder zustehen werden, und ebenso auf alle Vorbehalte und Spitzfindigkeiten des kirchlichen und weltlichen Rechts, durch die die vorliegende fromme Schenkung auf irgendeine Weise verhindert werden könnte zu seinen Gunsten oder derjenigen seiner näheren und entfernteren Nachkommen, Verwandten, Blutsverwandten und Freunde, und ebenso zugunsten all derjenigen, die sich unter irgendeinem Vorwand mit besagter Schenkung in Verbindung bringen oder der Meinung sein könnten, es gehe dabei um ihre Rechte. Darüberhinaus setzte derselbe Magister und vorgenannte Stifter Amplonius die von ihm in erster Linie Beschenkten, nämlich besagtes Kolleg und seine gegenwärtigen und künftigen Mitglieder, und ebenso natürlich im Namen besagter Mitglieder und nicht anders den ehrwürdigen und weisen Herrn Rektor mit den Magistern und Doktoren genannter Universität von Erfurt und die Ratmeister und Ratsherren besagter Gemeinde als Beauftragte und Schutzherren der vorgenannten Schenkung in den Besitz derselben Bücher, die gesamt und einzeln geschenkt werden, und zwar so, daß die Bücher dem genannten Magister Amplonius im Namen der besagten Beschenkten ohne Nachteil fürderhin in Verwahrung gegeben werden und bei ihm unter treuem Schutz verbleiben, nicht als ihm angehörig oder als sein Besitz, sondern unter dem Rechtstitel eines hinterlegten und anvertrauten Guts. Oft genannter Stifter hat für sich und seine Nachfolger versprochen, besagte Schenkung niemals wegen Undankbarkeit oder aus irgend einem anderen Grund widerrufen zu wollen, sondern sie für immer als gültig und erwünscht unverbrüchlich einzuhalten. Er behält sich die uneingeschränkte Vollmacht vor, alles Vorstehende durch Zusätze oder Streichungen sooft abzuändern, wie es ihn gut scheint, ohne jedoch die erwähnte Schenkung jemals anzutasten. Der oft genannte Magister Amplonius bat mich, den unterschreibenden öffentlichen Notar, ihm von allem und jedem Vorstehenden soviele öffentliche Urkunden wie nötig anzufertigen.

Das wurde verhandelt zu Köln im Wohnhaus des genannten Magisters Amplonius im Bereich der oben genannten Kirche der Hl. Apostel; Jahr, Indiktion, Pontifikat, Monat, Tag, Stunde und Ort wie oben; dort anwesend waren die ehrwürdigen und vornehmen Herren Peter Rating aus Rheinberg, leiblicher Bruder des genannten Stifters und als Kanoniker Inhaber einer Pfründe an besagter Kirche der Hl. Apostel, Gerhard aus Rheinberg, Vikar an St. Maria im Kapitol, Johannes Wissen, Pastor in Lünen in besagter Kölner Diözese und Verwandter des genannten Stifters, und des Magisters Johannes von Stommeln, Presbyter in der genannten Diözese, die als glaubwürdige Zeugen für das Vorstehende eigens gerufen und hergebeten worden sind und in allen vorgenannten Punkten die erwähnte Stiftung treu bestätigen. Und ich, der oft genannte Amplonius, habe zur Beglaubigung der Wahrheit aller vorstehenden Punkte hier meine Unterschrift geleistet, weil ich jedes einzelne dessen, was oben berichtet ist, aus freiem Willen so, wie es oben steht, getan und gemacht habe. Ich Peter, der leibliche Bruder des genannten Stifters, habe hier zur Beglaubigung der Wahrheit aller vorstehenden Punkte meine Unterschrift geleistet, weil ich bei besagter Stiftung zugegen gewesen bin und sie einfach und vorbehaltlos bestätige. Und ich Gerhard aus Rheinberg, Verwandter des besagten Stifters, habe hier zur Beglaubigung der Wahrheit aller vorstehenden Punkte meine Unterschrift geleistet, weil ich als Zeuge bei allem oben Verhandelten anwesend war und der oft genannten Stiftung treu zustimme. Und ich Johannes Wissen, Verwandter des besagten Magisters und Stifters Amplonius, habe hier zur Beglaubigung aller vorstehenden Punkte meine Unterschrift geleistet, weil ich bei allem Vorstehenden als Zeuge anwesend war und besagte Stiftung gänzlich bestätige. Und ich Johannes von Stommeln, Magister in den Freien Künsten und Presbyter der Kölner Diözese, habe hier zur Beglaubigung der Wahrheit meine Unterschrift geleistet, weil ich als Zeuge bei allem oben Verhandelten zugegen war. Und ich Hartung Pletzichen von Rodenberg, Kleriker der Mainzer Diözese und kraft kaiserlicher Vollmacht öffentlicher Notar, habe, weil ich bei der Schenkung, Übergabe, dem Verzicht und der Aufkündigung, dem Gelöbnis und der Bestätigung des Besitzes dieser Bücher und der Benennung von beauftragten Schutzherren und der Wahl und Einsetzung von Bevollmächtigten sowie bei jedem anderen der vorstehenden Punkte zusammen mit den vorgenannten Zeugen anwesend gewesen bin, während es so, wie oben steht, verhandelt wurde und vor sich ging, und weil ich gesehen und gehört habe, daß es so, wie oben steht, vor sich gegangen ist, habe deshalb daraufhin diese vorliegende öffentliche Urkunde angefertigt, mit eigener Hand geschrieben, in diese öffentliche Form gebracht und hier mit meinem gewohnten Siegel und Namen unterzeichnet, zusammen mit den Unterschriften der genannten Herren und Magister, des Stifters Amplonius, besagten Stifters leiblichen Bruders Peter, der Verwandten des genannten Magisters und Stifters Amplonius Gerhard von Rheinberg und Johannes Wissen, und des Johannes von Stommeln, Magister in den Freien Künsten, und habe sie, darum gebeten und ersucht, zur Beglaubigung und zum Zeugnis aller einzelnen vorstehenden Punkte mit meinem Siegel versehen.“

Frohe Ostern 2021!

Amplonius NOVUS wünscht allen Freundinnen und Freunden der Stiftung ein FROHES OSTERFEST 2021 … und bleiben Sie uns gewogen! Denn auch und gerade in der Pandemie gilt: Studierende benötigen unsere Unterstützung.

April 2021


CA 4° 185: Practica cyrurgice (!) de cauteriis et seconibus. Die Handschrift datiert aus der Zeit des Übergangs vom 13. zum 14. Jahrhundert und ist evtl. italienischer Herkunft. Schum, aaO, S. 444, kommentiert die Abbildungen: „… in Wasserfarben gemalte menschliche Figuren zur Darstellung der einzelnen Kurmethoden in verschiedenen Krankheiten.“ Die hier dargestellten Krankheiten sind Magenerkrankung, Rippenfellentzündung, Zahnschmerzen und Erkrankung der Leber. Die Behandlung erfolgt durch Kauterisation, d.h. durch Zerstörung des betr. Gewebes durch Brennen mit einem Brenneisen oder Ätzmittel.

Amplonius beschäftigt sich schon vor Beginn seines Medizinstudiums intensiv mit dem Fach. Davon zeugt die Anschaffung einer großformatigen Avicenna-Handschrift im Jahr 1384 und das Geschenk eines gewissen Nycolaus ab Austria im Jahr 1385 in Form einer Sammlung grundlegender medizinischer Schultexte (CA. 8° 62b).

In Prag beginnt er sein Medizinstudium, das er 1391 an der Kölner Universität fortsetzt. 1392 wird die Universität Erfurt als fünfte Universität im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eröffnet. Ostern 1392 läßt sich Amplonius als Magister der Artes und Bakkalar der Medizin in die erste Matrikel der Erfurter Universität einschreiben. Bereits 1393 wird Amplonius der erste Doktor der Medizin an der neuen Erfurter Universität. Vom 5. Mai 1394 bis zum 31. Januar 1395 bekleidet er als zweiter das Amt des Rektors an der Hierana.[1] Gleichzeitig praktiziert er in Erfurt auch als Arzt, wie eine eigenhändige Notiz in den medizinischen Schriften seiner Bibliothek belegt:

Amplonius notiert: Am 4. September 1393 sei er zu einem Achtjährigen gerufen worden, dessen „ganzer Körper“ angeschwollen war. Beim Pflanzensammeln hatte er einen kleinen Wurm verzehrt. Diesem Knaben habe er starken, aromatischen Wein über Hals und Brustkorb gegossen, „zum Schutz des Herzens“. Dann habe er ihm von diesem Wein eingeflößt, „damit eine Blähung entstehe“. Das half! Das Kind sei „sofort allein durch die Kraft Gottes“ vom Leiden befreit gewesen, – wie Amplonius als frommer Christ und nach dem Verständnis damaliger Medizin glaubt.

Diese Notiz findet sich im Codes CA 2° 236, Bl. 177-183‘; sie lautet wortgetreu: „Anno 1393 die 4. Septembris erat puer octennis Erphordie ab Amplonio visus, qui inflatus fuit mirabiliter per totum corpus ex comestione vermiculi ventris in collectione sandicis, et iussi ei amministrari tyriacam magnam cum vino aromatico sublimato et invergi collum et thoracem eius ad preservanda cordialia et dedi ei I suppositorium, ut ventositas evanesceret, et statim virtute Dei solius liberatus erat.”[2]

1399 finden wir Amplonius in Köln wieder, wo er an der Universität lehrt und auch das Amt des Rektors ausübt. Im Mai 1401 wird es Leibarzt des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden (bis zu dessen Tod 1414). 1416 verlegt Amplonius seinen Wohnsitz nach Mainz. Er ist Dekan (d.h. wirtschaftlicher Leiter) der Stiftskirche St. Victor in Mainz und Leibarzt des Mainzer Erzbischofs Johann II. von Nassau bis zu dessen Tod 1419.[3]

Aus der Mainzer Zeit existiert ein von Amplonius stammender „Gewürztraktat“, den er für die junge Markgräfin Margarethe von Baden, die seit März 1418 mit Graf Adolf von Nassau verheiratet ist, anfertigt.[4] Darin werden exotische und somit teure Gewürze und ihre Anwendung bei unterschiedlichen Beschwerden beschrieben. Der Anfang dieses Textes lautet: „Dis ist die arczenie die meyster Appolonius gap zu guden iare / lare der edeln grewen grauff Adolffs wibe, vmme liepenes des ersam in gott vatter vnd herren, herren Johans von Nassen erczbischoffs zu Mencz, des arczts der abegenantis meyster Appolonius was …“„Dies ist die Arznei, die Meister Appolonius [i.e. Amplonius] der hochgeborenen Frau Gräfin, der Gattin des Grafen Adolf gab [übers Jahr?, zu nützlichen Lehren?], wegen der Liebe des Ehrenwerten zum Gottvater und Herren, Herrn Johannes von Nassau, Erzbischof von Mainz, dessen Arzt der vorgenannte Meister Appolonius war.“

Bezüglich seiner ärztlichen Tätigkeit in Mainz zieht Frau Dr. Pfeil den Schluß, daß Amplonius der Markgräfin nicht nur den „Gewürztraktat“ schreibt, sondern ihr darüber hinaus auch bei ihren Schwangerschaften als Arzt beisteht, wobei sie alle Geburten überlebt und auch ihre Kinder die damals kritische Säuglingszeit überstehen, was wiederum für die Qualitäten Amplonius‘ als Arzt spricht.[5]

1423 kehrt Amplonius nach Köln zurück und wird Leibarzt des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (bis mindestens 1430). Er stirbt um den 15. April 1435 in St. Aposteln zu Köln.


[1] Hierana = die an der Gera Liegende. Dies ist die landläufige Benennung der von 1392 bis 1816 bestehenden alten Erfurter Universität. Der Name bezieht sich auf den Erfurt durchquerenden Fluss Gera (lat.: hiera), an dessen Ufern die Einrichtungen der Universität liegen.

[2] zitiert nach Schum, aaO, S. 147

[3] Johann von Nassau ist gleichzeitig Kanzler der Erfurter Universität.

[4] Siehe Pfeil, doctor in medicina, S. 2 ff

[5] Vgl. Pfeil, doctor in medicina, S. 4

März 2021

CA 2° 32, Bl. 74-78: Liber Averroys commentatoris de phisonomia (Averroes: Liber physionomiae). Anfang eines naturphilosophischen Kommentars von Averroes zu Aristoteles. Der Text beginnt mit den Worten: „Elegantius est nature cognitio que per exteriores formas interiores inuestigat qualitates …” Die Handschrift stammt aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. In der Miniatur ist ein Lehrer im Diskurs mit seinem Schüler dargestellt.

Averroes, so der latinisierte Name für Abū l-Walīd Muhammad ibn Ahmad Ibn Ruschd, kurz Ibn Ruschd, wird 1126 in al-Andalus (Andalusien), in Córdoba, der Hauptstadt des gleichnamigen Kalifats und damals eine der größten Städte der bekannten Welt, geboren. Der Arzt, Jurist und Philosoph verfaßt Kommentare zu fast allen Schriften des Aristoteles, weswegen er im Mittelalter oft einfach nur „der Kammentator“ genannt wird (wohingegen Aristoteles als „der Philosoph“ bezeichnet wird).

Aristoteles als die Autorität des spätmittelalterlichen Geisteslebens nimmt mit seinen eigenen Werken in der Amploniana zum Teil in sehr aufwendigen Ausfertigungen einen großen Raum ein, ebenso wie die sog. „pseudo-aristotelischen“ Schriften (z.B. CA. 2° 263) und die in Latein abgefaßten Kommentare von Averroes. Amplonius besitzt mehr als 650 Einzelschriften von oder über Aristoteles.

Von Averroes liegen auch medizinische Schriften vor. Sein Hauptwerk zur Heilkunde, eine medizinische Enzyklopädie mit dem lat. Titel Liber universalis de medicina, hat die abendländische Medizin entscheidend beeinflußt. Hier befaßt sich der arabische Arzt mit den Themenbereichen Anatomie, Hygiene, Pathologie, Physiologie, Therapeutik etc. und ist für seine mittelalterlichen Nachfolger ausgesprochen wichtig.

Februar 2021

CA 4° 194 Bl. 65 ff: Das Pestgutachten der medizinischen Fakultät der Universität Paris: „Tractatus de epidimia (a. 1349 a facultate medica Parisiensi editus“). Der Text beginnt wie folgt: „Visis effectibus quorum causa latet etiam ingeniosissimos intellectus mens humana in admirationem deducitur, et cum ei insit apprehensionis boni verique innata cupido, nam omnia bonum appetunt et scire desiderant, ut patet per philosophum euidenter. …“ – Vgl. Paasch, aaO, S. 175.

Auch unser Magister Amplonius de Berka setzt sich mit der verheerenden Pest-Epidemie auseinander, studiert Pesttraktate, die er in seiner Bibliothek sammelt, und schreibt höchstselbst ein „Regimen contra pestilenciam“. Der Mediziner ist höchst besorgt, — um seine Patienten und Mitmenschen und natürlich um seine Kollegiaten in Erfurt. Denn die epydimia ist auch eine Gefahr für das Collegium Amplonianum, für die dort studierenden jungen Akademiker und letztendlich auch für die überaus wertvolle Bibliothek. Folglich weist der Stifter seine Stipendiaten im Dezember 1433 in den Statuten des Kollegs an, bei einem Ausbruch der Pest die „Himmelspforte“ zu verlassen, und zwar „cito, longe et tarde“.

Er befiehlt, daß die Bibliothek geschlossen werden muß (die Schlüssel sind beim Erfurter Rat abzugeben) und alle Personen an Orte zu gehen haben, an denen keine Pest herrscht. Amplonius fordert: „fuge cito de loco pestilenciali ad locum non pestilencialem longe et tarde redibis”.

Was rät Doktor Amplonius, um nicht an der Pest zu erkranken und zu sterben? Er sagt, man soll Abstand halten von „zw vill lewtten“ (von zu vielen Leuten), möglichst keine fremden Wohnstuben und Häuser besuchen, da hier ein großes Potential für gegenseitige Ansteckung besteht und keine Badehäuser („patstuben“) frequentieren. Weiterhin soll man regelmäßig gewisse Hygienemaßnahmen durchführen, z.B. morgens und abends seine Kammer mit einem Gemisch aus Wacholder, Lorbeer und Wermut („kranwitper, lorber und wermut“) ausräuchern und selbst diesen Rauch intensiv inhalieren („zeuch den ruckh in dich mit grossem vleiß“). Außerdem soll man Hände und Gesicht oft mit Wasser oder Essig reinigen („Man sol hent und antlitz offt waschen mit wasser oder mit essich“), wobei man sich – so wird schon vorher gesagt – vor „rohem wasser“ hüten soll, was nichts anderes heißt, als daß man das Wasser abkochen soll. Außerdem soll man gewisse Ernährungsmaßregeln befolgen, also beispielsweise Walnüße mit einem Schluck Wein zu sich nehmen („guet walisch nuß; und thue dar auff ein guetten trunckh wein“), bevor man seine Kammer verläßt, und allen Speisen Essig hinzufügen („und in all dein speiß thue essich“).

Und als Quintessenz aller Ratschläge fordert „meyster Apollonius“, man solle stets züchtig und fröhlich sein, um das Blut in seiner vollständigen Kraft zu erhalten: „allzeit in zuchten frolich, so wehaltes dw das pluet in seiner krafft.“

Januar 2021

Jeden Monat präsentieren wir hier anhand privater Aufnahmen unterschiedliche Details aus Büchern der Bibliotheca Amploniana, die Amplonius am 1. Mai 1412 dem von ihm gegründeten Collegium Amplonianum „für ewige Zeiten“ („perpetuis temporibus“) vermachte. Unter den Kalenderblättern finden Sie eine kurze Einordnung der einzelnen Blätter des Kalenders in den Kontext der Bibliotheca Amploniana.

Aus dem „Catalogus librorum“, dem eigenhändig geschriebenen Bücherverzeichnis des Amplonius. Beginn des Kapitels zu den medizinischen Büchern: „De medicina“. Amplonius besitzt in der Medizin 101 Codices mit insgesamt über 800 Einzelwerken. Es sind dies Schriften unterschiedlichster Herkunft, alle wichtig und notwendig für ein Medizinstudium zu jener Zeit. Wir finden in seiner Sammlung Werke antiker, jüdischer, arabischer und abendländischer Herkunft.

Die medizinischen Schriften der Bibliotheca Amploniana sind ein MUSS für alle Erfurter Medizinstudenten. In den Statuten des Collegium Amplonianum aus dem Jahr 1433 weist Amplonius seine Kollegiaten an, welche Schriften sie studieren sollten:

XXIV. Item statuo quod magister talis ut premittitur studebit artem commentattam Hippocratis et Galeni amphorismos et notabilia commentorum diligenter incorporando, si ad medicinam iste talis se contulerit; preterea primum canones Auicenne Almansorium Rasis colliget Aueronis viaticum Constantini cum commento Giraldi et Ysaac de vrinis, et per mensem tempore verno frequenter sit in apothecis discendo conficere clisteria suppositoria nastalia pessaria syropos et similia sibi necessaria et confectiones, antequam fiat baccalarius in dicta facultate medicine.

Wie im gesamten catalogus librorum üblich, folgt der Überschrift mit der Fachbenennung und dem Besitzvermerk der erste Band, beginnend mit der Zahlenangabe „primo“. Alle folgenden Codices beginnen mit „item“ – „ebenfalls“.

Die in einem Codex zusammengefaßten Schriften sind mit einer Klammer links vom Text verbunden, wobei die in der Mitte der Klammer stehende Zahl (durch das hochgestellte „m“ als Ordnungszahl ausgewiesen) die fortlaufende Numerierung des Bandes in der Abteilung darstellt.

Manche Codices sind mehrfach vorhanden. So ist der persische Arzt und Naturwissenschaftler Ibn Sina, latinisiert Avicenna, gleich mit 17 Kopien seines Kanons der Medizin in der amplonianischen Bibliothek vertreten. Bereits 1384 kauft Amplonius für den damals enormen Preis von 6 rheinischen Gulden von Tilmann von Siegburg, Leibarzt des Kölner Erzbischofs, eine großformatige Avicenna-Handschrift.

Und er liest bzw. studiert die gesammelten Schriften auch! Darüber gibt eine von Amplonius selbst geschriebene Notiz Auskunft, in der er festhält, daß er den gesamten „Canon“ des Avicenna (CA. 2° 252) einen ganzen Sommer hindurch vom 31. Mai bis zum Martinstag 1422 gründlich studiert hat: „Ego Amplonius hunc librum perlegi studiose a principio ad finem a. 1422 in estate a festo pasche usque ad Martini festum.“

Weiterhin enthält die Bibliotheca Amploniana medizinische Werke u.a. von Rhazes, Averroes, die Apho-rismen des Hippokrates, ein Kommentar Galens zu Hippokrates und Schriften des Constantinus Africanus.