Oktober 2021

Das Kalenderblatt für den Oktober 2021 entstammt einer weiteren medizinischen Schrift aus der Amploniana: CA 2° 240: Guilelmi Placentini practicae libri (Wilhelm Placentinus von Saliceto: Vier Bücher der praktischen Medizin). Handschrift aus dem frühesten 14. Jahrhundert, evtl. noch 13. Jahrhundert, verziert mit interessanten Miniaturen aus der medizinischen Praxis.

Wilhelm Placentinus von Saliceto (geb. nach 1210, gest. um 1286) war ein Mediziner und Chirurg aus der Lombardei. Er studierte Medizin in Bologna, der wohl ältesten Universität Europas, promovierte dort und wurde dann Stadtarzt in Verona, wo er aber nur relativ kurz blieb, um sodann als Professor der Medizin an die Universität von Bologna zurückzukehren.

Er war der erste große Chirurg in Westeuropa. Zusammen mit anderen war Wilhelm von Saliceto Wegbereiter der chirurgischen Anatomie und (Mit-) Begründer der Chirurgenschule in Bologna.

Von Wilhelm von Saliceto sind in der Bibliotheca Amploniana mehrere Schriften vorhanden. Der Codex mit den Vier Büchern der praktischen Medizin kommt nach 1412 in die Bibliothek, das 4. Buch beschäftigt sich mit der Nützlichkeit zusammengesetzter, gemischter Medikamente. Folglich ist auf der vorliegenden Seite in der Initiale „L“ ein Arzt bei der Herstellung einer Arznei dargestellt: „Liber quartus incipit in quo determinabitur de medicinis compositis et simplicibus …“

Die Miniatur unten auf der Seite – Initiale „C“ – zeigt die Verteilung von hergestellten Arzneien an Patienten.

Vorstandssitzung 2021

Am 26. August 2021 hat der dreiköpfige Stiftungsvorstand getagt. Nach einem Überblick über die Finanzen von Amplonius NOVUS – die Stiftung gehört mit ihrem Stiftungskapital nach wie vor zu den kleinen Stiftungen, die unter dem Dach der Sparkasse am Niederrhein geführt werden – danach also widmete sich der Vorstand den Förderaktivitäten:

Im Förderjahr 2021 wurden vier Abiturientinnen/Abiturienten des Amplonius-Gymnasiums, die einen Abschluß mit dem Notendurchschnitt 1,0 erreichten, mit einem Büchergeld von je 100 EUR für ihren Start in ein Hochschulstudium gefördert.

Damit hat die Stiftung – beginnend mit den zwei besten Amplonianern des Abitur-Jahrgangs 2013 – bis heute insgesamt 3.400 Euro als Büchergeld für die besten Abiturientinnen und Abiturienten des Amplonius-Gymnasiums zur Verfügung gestellt.

Im zurückliegenden Studienjahr wurden zwei Amplonianerinnen und ein Amplonianer mit einem Stipendium von monatlich 100 EUR durch Amplonius NOVUS unterstützt. Die drei Stipendiaten haben Anträge auf Fortsetzung der Förderung gestellt. Ihren jeweiligen Jahresberichten und Notenübersichten war zu entnehmen, daß sie in ihrem Studium (2 x Medizin, 1 x Lehramt) erfolgreich gearbeitet haben, weshalb der Stiftungsvorstand einstimmig der Meinung war, das Amplonius-Stipendium für ein weiteres Jahr fortzusetzen.

Im Studienjahr 2014/2015 hat Amplonius NOVUS damit begonnen, den ersten Absolventen des Rheinberger Gymnasiums mit einem kleinen Stipendium zu fördern. Mittlerweile hat unsere erster Stipendiat sein Studium erfolgreich beendet; er schreibt über das Amplonius-Stipendium: „Ich möchte mich noch einmal ausdrücklich bei der Studienstiftung Amplonius Novus bedanken. Ohne dieses Stipendium hätte ich vermutlich einigen meiner wissenschaftlichen Interessen nicht in diesem Umfang nachgehen können. Auch das Studium wäre deutlich aufwändiger gewesen, wenn ich mich parallel noch um eine Finanzierung hätte kümmern müssen.“

Aktuell werden drei Studierende durch eine monatliche Beihilfe in Höhe von 100 Euro unterstützt. Bis zum Ende des Studienjahres 2021/2022 werden wir insgesamt 18.000 Euro für die Förderung von Rheinberger Studenten ausgegeben haben.

Möglich werden all unsere Aktivitäten nur durch die Unterstützung engagierter Freundinnen und Freunde sowie Förderer von Amplonius NOVUS.

Dafür bedanken wir uns sehr herzlich! Ohne die großzügigen Spenden und Zuwendungen wäre unsere Arbeit in diesem Umfang nicht möglich.

Sollten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die Arbeit der Studienstiftung Amplonius NOVUS ebenfalls unterstützen wollen, finden Sie hier unser Konto bei der Sparkasse am Niederrhein. Die IBAN lautet:

DE40 3545 0000 1101 0368 44 (BIC: WELADED1MOR).

Wir freuen uns über jeden Betrag in jedweder Höhe. Natürlich versenden wir auch zu Jahresbeginn entspr. Spendenquittungen.

September 2021

September     CA 2° 287: Hippocratis aphorismi a Galieno commentati – Aphorismen des Hippokrates mit einem Kommentar von Galen in der Übersetzung von Constantinus Africanus.

Die Hauptinitiale links auf der Seite zeigt ein ca. 17 cm großes rotes „P“: „Prefacio domini constantini affricani montis cassiensis monachi ad glauconem discipulum suum. Licet peticionibus tuis continuis …“

Die Initiale „U“ zeigt „ein größeres bunt ausgeführtes lebendiges Bild einer ärztlichen Consultation, das durch die Tracht einer weiblichen Figur für die damalige Zeit äußerst characteristisch ist“ (Schum, aaO, S. 195). Die Miniatur zeigt einen Arzt mit Uringlas, der zu einem Patienten spricht. Im Hintergrund ist das Labor des Arztes zu sehen sowie eine weitere Person.

Der Text beginnt: „Uita breuis, ars vero longa, tempus autem acutum experimentum vero fallax iudicium autem difficile …“ „Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang, die Gelegenheit vorübergehend, die Erfahrung verräterisch, die Beurteilung schwierig …“

Der Kommentar beginnt acht Zeilen danach mit der blauen Initiale „P“: „Plurimi interpretes huius libri …“

Constantinus Africanus (gest. um 1087) war ein nordafrikanischer medizinischer Forscher, Fachautor und Übersetzer an der medizinischen Schule von Salerno in Süditalien. Durch seine Übersetzungstätigkeit – er übersetzt z.B. Hippokrates und Galen – wird auch die praktische arabische Medizin für die Ärzte im mittelalterlichen Europa zugänglich. Von Salerno aus gelangen die Erkenntnisse und Lehrbücher an die Universitäten von Bologna und Paris und natürlich auch nach Erfurt und in die Amploniana.

Die Handschrift Hippocratis aphorismi a Galieno commentati wurde am 9. Dezember 1468 durch den Rheinberger Studenten Hermann Umbehouwen „in stuba“ des Collegium Amplonianum vollendet. Es existiert am Schluß der folgende Eintrag: „Expl. amph. Yp. cum comm. G. per Hermannum Umbehouwen de Bercka a. D. millesimo quadringentesimo scxagesimo octavo die vero nona mensis Decembris in stuba eiusdem B. collegii Porte celi Amploniani.“

Hermann stammt aus Rheinberg und wird 1458 als 41. Kollegiat am Collegium Amplonianum aufgenommen. 1467 wird er magister artium und studiert dann Medizin. Er promoviert nicht in Erfurt und ist nach seinem Studium Arzt in Stendal und Lüneburg.

In der Bibliotheca Amploniana findet sich unter der Signatur CA 4° 218 eine von Umbehouwen gestiftete Sammlung medizinischer Texte.

Nicht geklärt ist, ob dieser Hermann Umbehouwen identisch ist mit jenem „dankbaren Schüler namens Unbehoven aus Rheinberg“, der laut Paul Feltes „am Anfang des 16. Jahrhunderts einen neuen Grabspruch in lateinischer Sprache“ in St. Aposteln zu Köln anbringen ließ. Nachfolgend der von Feltes veröffentlichte Text:

„Dieses bescheidene Grab birgt Amplonius sterbliche Reste. / Kalter, nüchterener Stein deckt ein ruhmvolles Leben zu. / Aber weil er sein Leben erhabener Weisheit gewidmet hat, / gegen Unglück den Kampf mit tapferem Herzen aufnahm, / schenkte ihm Gott ein gutes Geschick, Reichtum und klugen Rat. / Ewig wird die Nachwelt ihm dankbare Kränze winden, / niemals geht er ein in der Vergessenheit Grab.“

Feltes‘ Quellen bleiben im Dunkeln; sicher aber ist das Epitaph aus der Feder des Erfurter „poeta laureatus“ Christophorus Aulaeus, das dieser in seinen „Luctuum libri duo“ aufnahm, einer Sammlung von Trauergedichten, die er 1547 veröffentlicht hat.

August 2021

CA 2° 319 aus dem frühen 14 Jahrhundert und italienischer Herkunft. Thomas von Aquin: Questiones de veritate. Schum, aaO, S. 221: „Initialen der Hauptabschnitte in bunten Farben auf Goldgrund mit großen um den ganzen Text herumreichenden Arabesken, phantastisch gestaltete Vögel zumeist u. einmal gut getroffene Scenen einer Hasenjagd enthaltend; im Inneren des 1. Initials ist eine Vorlesung eines Dominicaners vor Ordensbrüdern dargestellt.“

Thomas von Aquin (1225-1274) war ein italienischer Dominikaner und einer der bedeutendsten Kirchenlehrer der römisch-katholischen Kirche. Er ist einer der einflußreichsten Philosophen, und seiner Wirkungsgeschichte in der Philosophie des Mittelalters nach zu urteilen gehört er zu den großen Denkern seiner Zeit, dessen Werk noch heute auf praktisch allen Feldern philosophischer Problemstellungen Anregungen zu geben vermag.

In seinen „Questiones disputatae“, seinem in philosophischer Hinsicht bedeutendsten Werk, geht es Thomas von Aquin um die möglichst umfassende Disputation von Sachfragen nach der Maßgabe der intellektuellen Vernunft vor dem Hintergrund überlieferter Auffassungen. Abgehandelt werden die großen Themen der Metaphysik und Erkenntnislehre, die den Menschen bewegen: Was ist Wahrheit, was Vermögen und (göttliche) Macht, was Tugend, und was ist die Seele?

Amplonius schätzte die Schriften von Thomas von Aquin sehr; folgerichtig schrieb er seinen Theologie-Studenten ihr Studium vor. Er besaß alle wichtigen Schriften des Thomas in jeweils mehreren Exemplaren, von den Kommentaren zu Sentenzen des Petrus Lombardus bis hin zur „Summa contra Gentiles“ (CA 2° 96), von den Bibelkommentaren bis zu den Kommentaren zu Texten von Aristoteles.

Juli 2021

CA 2° 31 (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts): Libri duo Aristotelis de proprietatibus elementorum secundum translacionem communem. Die Initiale „P“ zeigt einen Gelehrten, vielleicht Aristoteles, mit seinen Schülern. In seinen Händen hält der Mann eine Darstellung der Welt – als Scheibe. Der Text beginnt: „Postquam premissus est sermo a nobis in celo et mundo et determinavimus illud …“

Aristoteles (384-322 v. Chr.) ist sicherlich neben seinem Lehrer Platon der bedeutendste antike Philosoph. Seine Schriften über die Logik, die Naturphilosophie, die Metaphysik und die praktische Philosophie wurden seit dem 12. Jhdt. aus dem Arabischen in das Lateinische übersetzt und dem Abendland wieder zugänglich gemacht. Dadurch wurde das geistige Leben Europas ab dem 13. Jhdt. bereichert, auch wenn die Aufnahme der aristotelischen Schriften, die sich im Widerspruch zu den Lehren der katholischen Kirche befanden, nicht ohne Probleme erfolgte. Auch in der Amploniana lassen sich Verurteilungen einzelner Aussagen des Aristoteles im Bereich der Naturphilosophie feststellen.

Trotzdem gilt Aristoteles im europäischen Mittelalter als der Philosoph überhaupt, als die Autorität des spätmittelalterlichen Geisteslebens.

Die Schrift „De proprietatibus elementorum“ entstand wahrscheinlich im neunten oder zehnten Jahrhundert. Der Autor des Werkes behauptet, Aristoteles zu sein, aber schließlich wurde festgestellt, daß es sich um das Werk eines arabischen Autors handelt, weshalb die Arbeit folgerichtig einem „Pseudo-Aristoteles“ zugeschrieben wird.

Bis zum 13. Jahrhundert ist „De proprietatibus elementorum“ zusammen mit Aristoteles „Meteorologie“ und Avicennas „De mineralibus“ eine der drei Hauptquellen für mittelalterliches Wissen über Geologie.

Als während der Renaissance erkannt wird, daß „De proprietatibus elementorum“ nicht von Aristoteles selbst geschrieben wurde, wird die Schrift aus dem akademischen Curriculum gestrichen.

Zum Einstieg ins Studium: Büchergeld

Dass Schule in den Zeiten von Corona nicht einfach war und ist, wissen mittlerweile alle Menschen im Land. Dass Abiturientinnen und Abiturienten in den Zeiten von Corona trotz aller Widrigkeiten hervorragende Leistungen erbringen, verdient unser aller Respekt.

Die Studienstiftung Amplonius NOVUS beglückwünscht alle Abiturientinnen und Abiturienten des Amplonius-Gymnasiums zum bestandenen Abitur und wünscht für die Zukunft alles erdenklich Gute.

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass bei einem großen Teil der Absolventinnen und Absolventen des Amplonius-Gymnasiums, genau bei 34 Schülern, bei der Durchschnittsnote eine Eins vor dem Komma steht.

Ist dies gerade in den momentan schwierigen Zeiten schon eine tolle Leistung, so stellt die Abschlussnote Eins-Komma-Null sozusagen das Sahnehäubchen dar. Und diese Super-Leistung gelingt vier Prüflingen, einer Abiturientin und drei Abiturienten. Diese vier besonders erfolgreichen Amplonianern würdigt die Studienstiftung Amplonius NOVUS durch ein Büchergeld von je 100 Euro, das zur Anschaffung von Fachliteratur beim Start ins Studium dient.

Dazu schreibt es ehemaliger Amplonianer: „Vielen Dank für die Glückwünsche zum Abitur und für die Möglichkeit dieses Büchergeld in Anspruch nehmen zu können. Es wird zum Studienbeginn eine gute Unterstützung sein.“ Oder eine Amplonianerin: „Ich habe mich über die Anerkennung für meinen Abschluss durch die Stiftung Amplonius Novus sehr gefreut und möchte mich daher von ganzem Herzen bei Ihnen bedanken. Die acht Jahre, die ich am Amplonius-Gymnasium verbracht habe, waren für mich eine sehr schöne und für meinen weiteren Lebensweg prägende Zeit, an die ich mich immer gerne zurückerinnern werde.“

Seit dem ersten Büchergeld beim Abitur 2013 hat die Stiftung Amplonius NOVUS nun insgesamt 41 Amplonianerinnen und Amplonianer für ihre exzellenten Schulleistungen gewürdigt und insgesamt 3.400,- Euro zur Verfügung gestellt.

Amplonius NOVUS unterstützt Amplonianerinnen und Amplonianer nicht nur bei ihrem Eintritt in eine Hochschule durch ein Büchergeld zur Beschaffung von Literatur zum Studium, sondern auch im Verlauf ihres Studiums durch ein Stipendium. So werden augenblicklich drei Studierende durch eine monatliche Beihilfe unterstützt und gefördert. Es handelt sich um zwei Studentinnen und einen Studenten, die alle am Amplonius-Gymnasium ihr Abitur abgelegt haben. Ein vierter Stipendiat hat mittlerweile sein Studium erfolgreich abgeschlossen. Er schrieb uns zu der Unterstützung durch die Stiftung: „Ich möchte mich am Schluss noch einmal ausdrücklich bei der Studienstiftung Amplonius NOVUS für das mir gewährte Stipendium bedanken. Ohne dieses Stipendium hätte ich vermutlich einigen meiner wissenschaftlichen Interessen nicht in diesem Umfang nachgehen können und auch das Studium wäre deutlich aufwändiger gewesen, wenn ich mich parallel dazu noch um eine Finanzierung hätte kümmern müssen.“

Für ein Stipendium von Amplonius NOVUS kann man sich jetzt wieder erneut bewerben. Der Förderzeitraum beträgt ein Jahr (beginnend mit dem Monat Oktober) und kann bei Vorliegen der Voraussetzungen verlängert werden. Alle notwendigen Informationen dazu findet man hier auf unserer Homepage.

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Zur Abbildung: Aus der Bibliothek des Amplonius (CA 2° 31). Die Initiale P zeigt einen Gelehrten mit seinen Schülern.

Juni 2021

CA 4° 353: Schmuckvolle Initiale “S” aus einem Buch von Euklid in der Übersetzung aus dem Arabischen von Adelard von Bath (auch Adelardus Bathonensis, geb. um 1070, gest. um 1152): Euclidis geometriae librorum VIII translatio ab Adelhardo Bathoniensi confecta fine mutila. Handschrift aus dem sehr frühen 13. Jahrhundert, in der Bibliotheca Amploniana in der Abteilung „Mathematica“ geführt. „Superficies similes sunt quarum anguli unius angulis alterius equales lateraque equos angulos continencia proporcionalia. Superficies mutuorum laterum sunt inter quarum latera incontinua proporcionalitas retransitive habetur.”

Wie viele wissenschaftliche Werke, so wurden auch Euklids Schriften zunächst ins Arabische übersetzt. Unter anderem durch die Übersetzungen von Adelard von Bath, einem bedeutenden englischen Gelehrten und Übersetzer des 12. Jahrhunderts, wurde die arabische Wissenschaft und mit ihr die der Antike im 12. Jahrhundert im Europa des Mittelalters bekannt gemacht.

Die Bibliotheca Amploniana enthält eine überraschend große Menge an mathematischen Texten, angefangen bei der griechisch-römischen Antike über die Übersetzungen von arabischen Schriften bis zu zahlreich vorhandenen Schriften aus dem westlichen Europa des 13. und 14. Jahrhunderts.

Unter Mathematik versteht Amplonius die im Quadrivium vereinten Fächer Arithmetik, Geometrie, (theoretische) Musik und Astronomie. Im catalogus librorum schreibt Amplonius, was er noch unter dem Oberbegriff „mathematica“ zusammenfaßt: die Astrologie, die Geomantie (i.e. eine Form des Hellsehens), „magicas artes et nigromanticas“ und die Optik.

Was Euklid betrifft, so enthält die Amploniana in verschiedenen Codices Handschriften der beiden wichtigsten lateinischen Euklid-Bearbeitungen des Mittelalters.

1. Mai 1412: Beginn der Amplonianischen Stiftung

„In nomine Domini amen. Anna a Nativitate eiusdem millesimo quingentesimo duodecimo Indictione quinta Pontificatus sanctissimi in Christo patris et dni nostri dni Johannis diuina prouidentia pape Vigesimi tertii anno secundo prima die mensis maji hora vesperorum uel quasi, in mei notarii publici subscripti et testium infra scriptorum ad hoc vocatorum et rogatorum presentia constitutis uenerabilis magister er dominus Amplonius de Berka phisicus Chori episcopus ecclesie sanctorum apostolorum Coloniens. asseruit: …“ –

„Im Namen des Herrn Amen. Im Jahre 1412 nach Geburt des Herrn, während der 5. Indiktion, im 2. Jahre des Pontifikats unseres heiligsten Vaters und Herrn in Christus, des Herrn Johannes XXIII., durch göttliche Vorsehung Papst, am 1. Tag des Monats Mai, etwa zur Stunde der Vesper, hat der ehrwürdige Herr Magister Amplonius aus Rheinberg, Arzt und Chorleiter der Kirche der Hl. Apostel zu Köln, in Gegenwart von mir, des unterschreibenden öffentlichen Notars, und der unten genannten Zeugen, die dazu gerufen und hergebeten worden sind, folgendes versichert:

Wenn er sich auch aus Liebe zum allmächtigen Gott schon lange den Plan vorgenommen und erwogen hat, zum Lob und zur Ehre des gebenedeiten göttlichen Namens von den Gütern, die ihm durch Gottes Fügung geschenkt worden sind oder geschenkt werden, an einer der privilegierten Universitäten Deutschlands ein bestimmtes Haus zu errichten und zu gründen für eine bestimmte Anzahl von geeigneten Scholaren aus dem wirklichen Gebiet der vorgenannten Hl. Kirche von Köln, damit jene dort studieren und bis zum Magistergrad in den Freien Kürsten und zum Doktorat in einer der vier übrigen Fakultäten fortschreiten sollen, und den Scholaren zu seinen und seiner Nachkommen Gunsten eine Bücherei bzw. Bibliothek einzurichten, wie sie für die genannten Fakultäten notwendig ist, so hat er, wie er sagte, dennoch aus anderen deutschen Universitäten mit privilegiertem Studium die Erfurter Universität ausgewählt und sich aus verschiedenen richtigen und verständlichen Gründen veranlaßt gesehen, sein heiliges Vorhaben gerade dort zu beginnen und mit Gottes Hilfe zu dem rechten Abschluß zu bringen. Und weil, wie er versicherte, die klugen und umsichtigen Herren Ratmeister und Ratsherren im Namen der gesamten Gemeinde Erfurt zur Vollendung des löblichen Vorhabens ebendiesem Magister Amplonius in großzügiger Weise den Himmelspforte genannten Hof zum Geschenk gemacht haben und ihn mit dem gegenwärtigen und künftigen Zubehör von Gelände, Bauwerken, Ställen und freiem wie auch unfreiem Personal, das sich dort aufhält, durch Privilegien gestützt und dem Kolleg des vorgenannten Magisters Amplonius zugewiesen haben und, wie er sagte, für ewige Zeiten überschrieben haben, hat deshalb derselbe ehrwürdige Magister Amplonius nach der ihm bestmöglichen und ordentlichsten Verfahrensweise, in voller Gesundheit des Leibes und der Seele, aus sicherem Wissen, mit Überlegung, freiwillig und aus eigenem Antrieb in einem Schenkungsakt unter Lebenden, der unwiderruflich in dem Willen zu schenken vollzogen worden ist, dem in Erfurt bei dem Hl. Michael gelegenen Kolleg, das mit gewöhnlichem Namen Himmelspforte heißt und Kolleg des Magisters Amplonius, des Arztes, genannt wird, in einem sogenannten einfachen und unwiderruflichen Schenkungsakt unter Lebenden alle Bücher jedweder Fakultät, die der vorgenannte Magister Amplonius jetzt insgesamt oder getrennt wirklich hat und als Besitz heute besitzt oder auch besitzen wird oder in Zukunft bekommen und erlangen wird, übergeben, geschenkt und gegeben und schenkt, gibt und übergibt sie ihm, indem er in dem obigen Schenkungsakt die vorgenannten in seinem Besitz befindlichen oder noch gelangenden Bücher jedweder Fakultät aus der profanen und theologischen Literatur seinem bereits genannten Kolleg, das Himmelspforte genannt wird, zum ewigen Nutzen der Scholaren und sonstigen Personen, die in ihm studieren sollen, als ihren eigenen Besitz schenkt, ohne Vorbehalt, frei und einfach und ganz zum Lob, zum Ruhme und zur Ehre des allerhöchsten Gottes, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, und seiner allerheiligsten Mutter und aller heiligen Geister, damit bei ihnen das Studium, die Tugend, die Wissenschaft und das Recht wachse, und nicht zuletzt, damit sie sie zu ihrem größten Nutzen und Vorteil immer besitzen sollen. Er behält sich kein Recht auf Eigentum oder Klage irgendwelcher Art an diesen Büchern vor und verzichtet auf die genannten Bücher und jedes einzelne von ihnen durch Gelöbnis mit der Hand, das von feierlichen Worten begleitet wird, abgelegt in meine, des unterzeichnenden Notars, Hände, der ich von dem vorgenannten Magister Amplonius im Namen des genannten Kollegs, Himmelspforte mit Namen, eigens bestimmt worden bin. Er vermacht, schenkt und gibt den Scholaren und Personen des genannten Kollegs zum ewigen Nutzen ihres Studiums über seine besagten Bücher, die ihm jetzt und künftig gehören, gemeinsam wie getrennt, die volle, ganze und unbeschränkte Verfügungsberechtigung mit allem Recht auf Eigentum und Besitz, das eben dem genannten Magister Amplonius an ebenden bereits genannten Büchern zustand, zustehen wird oder irgendwie künftig zustehen kann. Dennoch behält ebenderselbe Magister Amplonius vor allem sich und auch einigen anderen im Hinblick auf das Vorstehende die unten genannten Einschränkungen vor. Erstens während der Lebenszeit des Magisters Amplonius die unwiderrufliche Nutznießung an den genannten Büchern, die ihm als Ganzes und als Teile gehören und gehören werden; weiter, daß gewisse Verwandte von ihm, die durch Gottes Fügung dort einmal Mitglieder des Kollegs sein werden, diejenigen Bücher großzügiger benutzen können, die dort doppelt vorhanden sind, allerdings ohne Nachteil für das genannte Kolleg. Ebenso will selbiger Magister weder sich noch die Vollstrecker seines Willens durch diese Schenkung besagtem Kolleg zu Weiterem verpflichtet wissen, wenn nämlich durch ein unerwartetes Ereignis, Mißgeschick oder Schicksal die genannten Bücher ganz oder teilweise veräußert, entzogen, vernichtet oder beschädigt werden, außer daß er, soweit es an ihm liegt, nach besten Kräften und mit Eifer sowie ohne ausgeklügelte List und Betrug die Bücher aus besagter Schenkung für sein Kolleg und zu dessen Nutzen treu bewahren will . Ebenso hatte derselbe Stifter Amplonius folgenden Wunsch: Wenn jemals der Apostolische Stuhl wegen der großen Zahl der privilegierten Universitäten oder aus irgendeinem anderen Grund die Privilegien und Freiheiten besagter Universität von Erfurt widerrufen, zunichtemachen oder für ungültig erklären sollte und keine Hoffnung bestünde, derartiges im Laufe der Zeit wiederzuerlangen, so sollen die Mitglieder des genannten Kollegs die besagten Bücher unbehindert zu derjenigen Universität überführen können, zu welcher sie sich dann begeben wollen, und zwar ohne Hinderung durch den Herrn Rektor und die Herren Magister, Doktoren, Ratmeister und Ratsherren der vorgenannten Universität und Gemeinde von Erfurt oder auch durch einen anderen, der im Besitz kirchlicher oder weltlicher Macht ist, vorausgesetzt, daß kein Einspruch von irgendwelcher Seite dem entgegensteht. Damit die genannte Schenkung der Bücher wirksam werde und nicht um ihr rechtes Ende gebracht wird, hat schließlich ebenderselbe Magister Amplonius im Namen seines besagten Kollegs die ehrwürdigen und weisen Herren Rektor, Magister und Doktoren der vorgenannten Universität von Erfurt und die Ratmeister und Ratsherren dortiger Gemeinde als seine Beauftragten und Schutzherren bzw. besonderen Verwalter erwählt, indem er ihnen gemeinsam und einzeln nach der ihm bestmöglichen und wirksamsten Verfahrensweise die uneingeschränkte und volle Berechtigung erteilt hat, besagte Bücher aus genannter Schenkung nach Ablauf seiner lebenslänglichen Nutznießung zu verlangen, zu fordern, wiederzuerlangen, zu übertragen und natürlich zum Nutzen des oft genannten Kollegs und zu keinem anderen Zweck vorzuführen und zu überführen. Danach verzichtete vorgenannter Magister Amplonius auf jedes Recht und Klagerecht, auf alle Einschränkungen, Rechtsansprüche und Vorwände, die ihm an jenen Büchern oder an einem davon im Hinblick auf ihre Einbehaltung, ihren Verkauf und ihre Veräußerung zustehen oder zustehen werden, und ebenso auf alle Vorbehalte und Spitzfindigkeiten des kirchlichen und weltlichen Rechts, durch die die vorliegende fromme Schenkung auf irgendeine Weise verhindert werden könnte zu seinen Gunsten oder derjenigen seiner näheren und entfernteren Nachkommen, Verwandten, Blutsverwandten und Freunde, und ebenso zugunsten all derjenigen, die sich unter irgendeinem Vorwand mit besagter Schenkung in Verbindung bringen oder der Meinung sein könnten, es gehe dabei um ihre Rechte. Darüberhinaus setzte derselbe Magister und vorgenannte Stifter Amplonius die von ihm in erster Linie Beschenkten, nämlich besagtes Kolleg und seine gegenwärtigen und künftigen Mitglieder, und ebenso natürlich im Namen besagter Mitglieder und nicht anders den ehrwürdigen und weisen Herrn Rektor mit den Magistern und Doktoren genannter Universität von Erfurt und die Ratmeister und Ratsherren besagter Gemeinde als Beauftragte und Schutzherren der vorgenannten Schenkung in den Besitz derselben Bücher, die gesamt und einzeln geschenkt werden, und zwar so, daß die Bücher dem genannten Magister Amplonius im Namen der besagten Beschenkten ohne Nachteil fürderhin in Verwahrung gegeben werden und bei ihm unter treuem Schutz verbleiben, nicht als ihm angehörig oder als sein Besitz, sondern unter dem Rechtstitel eines hinterlegten und anvertrauten Guts. Oft genannter Stifter hat für sich und seine Nachfolger versprochen, besagte Schenkung niemals wegen Undankbarkeit oder aus irgend einem anderen Grund widerrufen zu wollen, sondern sie für immer als gültig und erwünscht unverbrüchlich einzuhalten. Er behält sich die uneingeschränkte Vollmacht vor, alles Vorstehende durch Zusätze oder Streichungen sooft abzuändern, wie es ihn gut scheint, ohne jedoch die erwähnte Schenkung jemals anzutasten. Der oft genannte Magister Amplonius bat mich, den unterschreibenden öffentlichen Notar, ihm von allem und jedem Vorstehenden soviele öffentliche Urkunden wie nötig anzufertigen.

Das wurde verhandelt zu Köln im Wohnhaus des genannten Magisters Amplonius im Bereich der oben genannten Kirche der Hl. Apostel; Jahr, Indiktion, Pontifikat, Monat, Tag, Stunde und Ort wie oben; dort anwesend waren die ehrwürdigen und vornehmen Herren Peter Rating aus Rheinberg, leiblicher Bruder des genannten Stifters und als Kanoniker Inhaber einer Pfründe an besagter Kirche der Hl. Apostel, Gerhard aus Rheinberg, Vikar an St. Maria im Kapitol, Johannes Wissen, Pastor in Lünen in besagter Kölner Diözese und Verwandter des genannten Stifters, und des Magisters Johannes von Stommeln, Presbyter in der genannten Diözese, die als glaubwürdige Zeugen für das Vorstehende eigens gerufen und hergebeten worden sind und in allen vorgenannten Punkten die erwähnte Stiftung treu bestätigen. Und ich, der oft genannte Amplonius, habe zur Beglaubigung der Wahrheit aller vorstehenden Punkte hier meine Unterschrift geleistet, weil ich jedes einzelne dessen, was oben berichtet ist, aus freiem Willen so, wie es oben steht, getan und gemacht habe. Ich Peter, der leibliche Bruder des genannten Stifters, habe hier zur Beglaubigung der Wahrheit aller vorstehenden Punkte meine Unterschrift geleistet, weil ich bei besagter Stiftung zugegen gewesen bin und sie einfach und vorbehaltlos bestätige. Und ich Gerhard aus Rheinberg, Verwandter des besagten Stifters, habe hier zur Beglaubigung der Wahrheit aller vorstehenden Punkte meine Unterschrift geleistet, weil ich als Zeuge bei allem oben Verhandelten anwesend war und der oft genannten Stiftung treu zustimme. Und ich Johannes Wissen, Verwandter des besagten Magisters und Stifters Amplonius, habe hier zur Beglaubigung aller vorstehenden Punkte meine Unterschrift geleistet, weil ich bei allem Vorstehenden als Zeuge anwesend war und besagte Stiftung gänzlich bestätige. Und ich Johannes von Stommeln, Magister in den Freien Künsten und Presbyter der Kölner Diözese, habe hier zur Beglaubigung der Wahrheit meine Unterschrift geleistet, weil ich als Zeuge bei allem oben Verhandelten zugegen war. Und ich Hartung Pletzichen von Rodenberg, Kleriker der Mainzer Diözese und kraft kaiserlicher Vollmacht öffentlicher Notar, habe, weil ich bei der Schenkung, Übergabe, dem Verzicht und der Aufkündigung, dem Gelöbnis und der Bestätigung des Besitzes dieser Bücher und der Benennung von beauftragten Schutzherren und der Wahl und Einsetzung von Bevollmächtigten sowie bei jedem anderen der vorstehenden Punkte zusammen mit den vorgenannten Zeugen anwesend gewesen bin, während es so, wie oben steht, verhandelt wurde und vor sich ging, und weil ich gesehen und gehört habe, daß es so, wie oben steht, vor sich gegangen ist, habe deshalb daraufhin diese vorliegende öffentliche Urkunde angefertigt, mit eigener Hand geschrieben, in diese öffentliche Form gebracht und hier mit meinem gewohnten Siegel und Namen unterzeichnet, zusammen mit den Unterschriften der genannten Herren und Magister, des Stifters Amplonius, besagten Stifters leiblichen Bruders Peter, der Verwandten des genannten Magisters und Stifters Amplonius Gerhard von Rheinberg und Johannes Wissen, und des Johannes von Stommeln, Magister in den Freien Künsten, und habe sie, darum gebeten und ersucht, zur Beglaubigung und zum Zeugnis aller einzelnen vorstehenden Punkte mit meinem Siegel versehen.“

Frohe Ostern 2021!

Amplonius NOVUS wünscht allen Freundinnen und Freunden der Stiftung ein FROHES OSTERFEST 2021 … und bleiben Sie uns gewogen! Denn auch und gerade in der Pandemie gilt: Studierende benötigen unsere Unterstützung.

April 2021


CA 4° 185: Practica cyrurgice (!) de cauteriis et seconibus. Die Handschrift datiert aus der Zeit des Übergangs vom 13. zum 14. Jahrhundert und ist evtl. italienischer Herkunft. Schum, aaO, S. 444, kommentiert die Abbildungen: „… in Wasserfarben gemalte menschliche Figuren zur Darstellung der einzelnen Kurmethoden in verschiedenen Krankheiten.“ Die hier dargestellten Krankheiten sind Magenerkrankung, Rippenfellentzündung, Zahnschmerzen und Erkrankung der Leber. Die Behandlung erfolgt durch Kauterisation, d.h. durch Zerstörung des betr. Gewebes durch Brennen mit einem Brenneisen oder Ätzmittel.

Amplonius beschäftigt sich schon vor Beginn seines Medizinstudiums intensiv mit dem Fach. Davon zeugt die Anschaffung einer großformatigen Avicenna-Handschrift im Jahr 1384 und das Geschenk eines gewissen Nycolaus ab Austria im Jahr 1385 in Form einer Sammlung grundlegender medizinischer Schultexte (CA. 8° 62b).

In Prag beginnt er sein Medizinstudium, das er 1391 an der Kölner Universität fortsetzt. 1392 wird die Universität Erfurt als fünfte Universität im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eröffnet. Ostern 1392 läßt sich Amplonius als Magister der Artes und Bakkalar der Medizin in die erste Matrikel der Erfurter Universität einschreiben. Bereits 1393 wird Amplonius der erste Doktor der Medizin an der neuen Erfurter Universität. Vom 5. Mai 1394 bis zum 31. Januar 1395 bekleidet er als zweiter das Amt des Rektors an der Hierana.[1] Gleichzeitig praktiziert er in Erfurt auch als Arzt, wie eine eigenhändige Notiz in den medizinischen Schriften seiner Bibliothek belegt:

Amplonius notiert: Am 4. September 1393 sei er zu einem Achtjährigen gerufen worden, dessen „ganzer Körper“ angeschwollen war. Beim Pflanzensammeln hatte er einen kleinen Wurm verzehrt. Diesem Knaben habe er starken, aromatischen Wein über Hals und Brustkorb gegossen, „zum Schutz des Herzens“. Dann habe er ihm von diesem Wein eingeflößt, „damit eine Blähung entstehe“. Das half! Das Kind sei „sofort allein durch die Kraft Gottes“ vom Leiden befreit gewesen, – wie Amplonius als frommer Christ und nach dem Verständnis damaliger Medizin glaubt.

Diese Notiz findet sich im Codes CA 2° 236, Bl. 177-183‘; sie lautet wortgetreu: „Anno 1393 die 4. Septembris erat puer octennis Erphordie ab Amplonio visus, qui inflatus fuit mirabiliter per totum corpus ex comestione vermiculi ventris in collectione sandicis, et iussi ei amministrari tyriacam magnam cum vino aromatico sublimato et invergi collum et thoracem eius ad preservanda cordialia et dedi ei I suppositorium, ut ventositas evanesceret, et statim virtute Dei solius liberatus erat.”[2]

1399 finden wir Amplonius in Köln wieder, wo er an der Universität lehrt und auch das Amt des Rektors ausübt. Im Mai 1401 wird es Leibarzt des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden (bis zu dessen Tod 1414). 1416 verlegt Amplonius seinen Wohnsitz nach Mainz. Er ist Dekan (d.h. wirtschaftlicher Leiter) der Stiftskirche St. Victor in Mainz und Leibarzt des Mainzer Erzbischofs Johann II. von Nassau bis zu dessen Tod 1419.[3]

Aus der Mainzer Zeit existiert ein von Amplonius stammender „Gewürztraktat“, den er für die junge Markgräfin Margarethe von Baden, die seit März 1418 mit Graf Adolf von Nassau verheiratet ist, anfertigt.[4] Darin werden exotische und somit teure Gewürze und ihre Anwendung bei unterschiedlichen Beschwerden beschrieben. Der Anfang dieses Textes lautet: „Dis ist die arczenie die meyster Appolonius gap zu guden iare / lare der edeln grewen grauff Adolffs wibe, vmme liepenes des ersam in gott vatter vnd herren, herren Johans von Nassen erczbischoffs zu Mencz, des arczts der abegenantis meyster Appolonius was …“„Dies ist die Arznei, die Meister Appolonius [i.e. Amplonius] der hochgeborenen Frau Gräfin, der Gattin des Grafen Adolf gab [übers Jahr?, zu nützlichen Lehren?], wegen der Liebe des Ehrenwerten zum Gottvater und Herren, Herrn Johannes von Nassau, Erzbischof von Mainz, dessen Arzt der vorgenannte Meister Appolonius war.“

Bezüglich seiner ärztlichen Tätigkeit in Mainz zieht Frau Dr. Pfeil den Schluß, daß Amplonius der Markgräfin nicht nur den „Gewürztraktat“ schreibt, sondern ihr darüber hinaus auch bei ihren Schwangerschaften als Arzt beisteht, wobei sie alle Geburten überlebt und auch ihre Kinder die damals kritische Säuglingszeit überstehen, was wiederum für die Qualitäten Amplonius‘ als Arzt spricht.[5]

1423 kehrt Amplonius nach Köln zurück und wird Leibarzt des Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (bis mindestens 1430). Er stirbt um den 15. April 1435 in St. Aposteln zu Köln.


[1] Hierana = die an der Gera Liegende. Dies ist die landläufige Benennung der von 1392 bis 1816 bestehenden alten Erfurter Universität. Der Name bezieht sich auf den Erfurt durchquerenden Fluss Gera (lat.: hiera), an dessen Ufern die Einrichtungen der Universität liegen.

[2] zitiert nach Schum, aaO, S. 147

[3] Johann von Nassau ist gleichzeitig Kanzler der Erfurter Universität.

[4] Siehe Pfeil, doctor in medicina, S. 2 ff

[5] Vgl. Pfeil, doctor in medicina, S. 4