Büchergeld 2025

Amplonius, der Gelehrte aus Rheinberg (ca. 1365 – 1435) ist ohne seine Bücher nicht denkbar und wäre heute ohne seine Bibliotheca amploniana kaum bekannt. Schon als Jugendlicher kommt er in den Besitz von Büchern – wir dürfen nicht vergessen: es gibt noch keinen Buchdruck, alle Bücher werden per Hand vervielfältigt und sind entsprechend wertvoll – und im Laufe seines Lebens baut er die größte und bedeutendste mittelalterliche Handschriftensammlung nördlich der Alpen auf.

Bücher transportieren Wissen. Das war zu Amplonius‘ Zeiten so und ist es auch noch heute, auch wenn wir mittlerweile immer stärker digitale Datenträger als Wissensspeicher einsetzen. Auch heutige Studenten benutzen noch (wie zu Amplonius‘ Zeiten) Bücher – und die Studienstiftung Amplonius Novus hat es sich in der Nachfolge des gelehrten Büchersammlers Amplonius zur Aufgabe gemacht, jungen Rheinbergern den Erwerb von Büchern zum Einstieg in ein Studium zu erleichtern.

Die zum Amplonius-Gymnasium gehörige Stiftung vergibt alljährlich ein Büchergeld an die besten Abiturientinnen und Abiturienten. Seit dem Abitur 2013 gibt es diese Auszeichnung und bisher haben 61 Amplonianer ein derartiges Büchergeld erhalten. In diesem Jahr werden fünf Absolventen des Rheinberger Gymnasiums je 100 Euro als Auszeichnung für ihre hervorragenden Leistungen im Abitur erhalten. Die junge Dame und die vier jungen Herren haben ihre Prüfungen mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen und gehören damit zu jener Gruppe von über 40 Schülerinnen und Schülern, die mit einer eins vor dem Komma die Abiturprüfungen am Amplonius-Gymnasium bestanden haben.

Amplonius Novus gratuliert ALLEN Abiturientinnen und Abiturienten zur gelungenen Prüfung und wünscht für die Zeit nach der Schule viel Glück und Erfolg! Gleichzeitig lädt die Stiftung dazu ein, sich für ein einjähriges Stipendium zu bewerben. Alle notwendigen Informationen dazu findet man auf der Stiftungs-Homepage www.amplonius-novus.de.

Trauer um StD a.D. Friedhelm Stapelmann

StD a.D. Friedhelm Stapelmann, ein Freund der Stiftung Amplonius Novus, ist am 31. Mai 2025 verstorben.

Mitte der 1960er Jahre kam Herr Stapelmann an das Amplonius-Gymnasium, wo er mit großer Leidenschaft die Fächer Mathematik und Sport unterrichtete. Ein erstes Photo im Archiv zeigt ihn 1966 inmitten der Schülerinnen und Schüler seiner damaligen Oberprima (s.u.). Bei seinen Schülern und bei allen Kolleginnen und Kollegen war Friedhelm Stapelmann außerordentlich geschätzt und beliebt. Er war mit Herz und Seele Lehrer!

Mit Ende des Schuljahrs 1992 wurde Friedhelm Stapelmann in den Ruhestand verabschiedet. Er blieb seinem Amplonius-Gymnasium treu und hielt bis zuletzt regen Kontakt zu seinen ehemaligen Schülern und zu seinen Kolleginnen und Kollegen. Seine Offenheit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit wird in steter Erinnerung bleiben!

Die Trauerfeier für Friedhelm Stapelmann findet am Mittwoch, den 18. Juni 2025, um 11 Uhr auf dem Friedhof Annaberg in Rheinberg statt.

1. Mai 1412

Amplonius de Berka stiftet seine umfangreiche Büchersammlung an das von ihm ins Leben gerufene Collegium Amplonianum an der Universität Erfurt. (Photo: Uni Erfurt)

Der Mensch des Mittelalters ist aufgefordert, Gutes zu tun. Almosen können vor der ewigen Verdammnis retten, gute Werke bereiten auf das Leben im Jenseits vor. Es geht dem Menschen darum, sein Seelenheil zu retten. Die Angst um die Seele ist tiefsitzend und existenziell; um sie zu verkleinern, werden große Anstrengungen, zum Beispiel in Form von frommen Schenkungen und Stiftungen „pro remedio animae“ (d.h. für das Heil der Seele), unternommen.

Am 1. Mai 1412 tut Amplonius de Berka, fast 50-jährig und auf dem Weg zum Kleriker, einen enormen Schritt in Richtung Rettung seines Seelenheils: er stiftet mit 2.400 Gulden Grundkapital und der Hilfe des Erfurter Rates ein Kolleg im Haus „Zur Himmelspforte“ nahe bei der Kirche St. Michaelis, das nach ihm benannt wird („Collegium Magistri Amplonii“), und das einer festgelegten Zahl von an der Universität zu Erfurt studierenden Kollegiaten Kost, Logis und Studierraum bietet. Herzstück der „Himmelspforte“ ist die schon damals hochberühmte private Bibliothek des Amplonius, die ca. 633 Codices umfasste (eine Zahl, bei der so manche Universitätsbibliothek der Epoche nicht mithalten kann!) und die er seit 1410 akribisch in einem von ihm selbst handgeschriebenen Katalog systematisiert hat.

Mit seiner Stiftung von 1412, später – im Jahre 1423 – in einem Brief erneuert, und 1433 in Form eines Testaments letztmalig verfügt, verfolgt Amplonius, ganz Kind seiner Zeit, natürlich das eigene Seelenheil und die Rettung vor der ewigen Verdammnis. Gleichzeitig gelingt ihm so die Sicherung seines eigenen gesellschaftlichen Status sowie der grundlegende Schutz seiner „Bibliotheca Amplaniana“ vor dem Zugriff anderer Kräfte, und durch seine großzügige Förderung des Gemeinwohls sowie seine weitsichtige, über Jahrhunderte fortdauernde Unterstützung von Bildung und Wissenschaft macht er sich einen unsterblichen Namen.

So finden wir in der Person des Amplonius de Berka einerseits einen Menschen seiner Epoche, des Mittelalters, der aber andererseits mit seiner intelligent institutionalisierten Stiftung weit über die Grenzen seiner Zeit hinausweist. Die Grunddisposition des Amplonius: die eigene Person und ihr Schicksal fest im Blick, aber gleichzeitig für das Gemeinwohl handeln und „Gutes tun“, – dieser ambivalente Charakter macht Amplonius de Berka auch heute noch interessant und lässt ihn – auch für uns „moderne Menschen“ – beispielhaft erscheinen.

(aus: „Wir sind Amplonius – Das Amplonius-Gymnasium seit 2010“, Photobuch, © 2012 by Schulleitung Amplonius (Heinz Pannenbecker)